riesige eisberge im abendlicht

Die Blende – eine fotografische Erklärung

muschel am strand zum sonnenuntergang

Die Blende war für mich zum Einstieg das komplizierteste Element in der Fotografie. 🙂 Hier versuche ich dir eine kurze und möglichst hilfreiche, fotografische Erklärung zu liefern. Damit du nicht vor den gleichen böhm’schen Dörfern stehst, wie ich. 🙂

Grundlegendes zur Blende

Die Blende reguliert im Objektiv die Öffnung, durch die Licht in den lichtdichten Kasten fällt; Physikalisch etwas genauer bezeichnet: Mit der Blende bestimmst du wie hoch der Lichtbündelquerschnitt ist, der auf Sensor/Film trifft. Das will folgendes meinen: Drehst du die Blende sehr weit auf, vergrößerst also die Öffnung, kommt ein sehr breites Lichtbündel in die Kamera. Eine große Blendenöffnung erkennst du zum Beispiel an der Bezeichnung „f2.8“. Umgekehrt kannst du die Zahl „f16“ einstellen. Die Blendenöffnung wird nun sehr klein. Das Licht wird stark gebündelt. Schön, oder? Aber was hat das nun genau mit Fotografieren zu tun? Über die Blendenöffnung und mit dem Querschnitt des Lichtbündels steuerst du den Schärfebereich in deinem Bild; die sogenannte Tiefenschärfe. Je größer die Blendenzahl, desto größer die Tiefenschärfe.

die blende markiert auf dem aufdruck eines objektivs
Die rot markierte Zahl ist die minimale Blendenöffnung. Die Angabe in Millimetern ist die Brennweite. Dazu an späterer Stelle mehr. 🙂

Die Tiefenschärfe

Stellst du eine sehr große Blendenöffnung ein, ist das Licht breit gefächert. Das heißt: der scharfe Bereich in deinem Bild ist sehr klein. Andersherum bedeutet eine sehr kleine Blendenöffnung, dass der scharfe Bereich in deinem Bild sehr groß ist. Das Lichtbündel wird stark konzentriert.

Oder anders erklärt: Stell‘ dir vor, du hast zwei Kaffeekannen. Eine davon hat eine sehr schmale Tülle (Tülle ist das Bauteil an einer Kanne, aus dem der Kaffee in die Tasse gegossen wird), die andere eine sehr breite. Ist die Öffnung der Kanne sehr breit, kannst du schnell sehr viel Kaffee ausgießen. Allerdings bist du damit nicht sehr genau. Ist die Öffnung der Tülle sehr klein, kannst du zwar besser zielen, bist aber langsamer. Bei der Blendenöffnung ist es das gleiche. Mit einer großen Öffnung (also kleiner Blendenzahl) kommt schnell viel Licht auf den Sensor/Film. Bei einer kleinen Blendenöffnung (große Blendenzahl) kommt weniger Licht auf den Sensor/Film. Dafür ist das Licht konzentrierter, also mehr Bereiche im Bild scharf.

Die Blende als gestalterisches Mittel nutzen

Und wozu nun das Ganze? Mit der Schärfentiefe kannst du beim Fotografieren wunderbar spielen. Durch den bewusst gesetzten Fokus, kannst du Elemente in deinem Bild gesondert hervorheben oder betonen. Sehr häufig taucht dieses Spiel in der Portraitfotografie auf. Du kennst mit Sicherheit Bilder, in denen eine Person oder ein Gegenstand vor einem verschwommenen Hintergrund steht. Genau dafür wird mit der Blende gespielt. Hier sind Objektive mit großer Blendenöffnung im Vorteil. Das sind dann aber zugleich meist die Objektive, die auch am teuersten sind.

kleiner brauner pilz am fuße eines moosbedeckten baumes im sonnenaufgangslicht
Der Schärfebereich im Bild ist sehr gering. Dadurch liegt der Fokus sehr deutlich auf dem Pilz.

Außerdem kannst du mit einer großen Blendenöffnung den Hintergrund verschwimmen lassen, so dass dieser den Blick auf das Hauptmotiv nicht ablenkt.

Die Tiefenschärfe selbst hängt aber nicht nur von der Blende ab. Die Brennweite spielt dabei auch noch eine Rolle. Doch dazu an späterer Stelle mehr.

Zusammenfassung

Fassen wir mal zusammen:

  • Das Objektiv begrenzt die minimale und die maximale Blende
  • Die Blende wird mit einem „f“ angegeben: „f2.8“ oder auch mit „1:x“
  • je kleiner die Blendenzahl, desto größer die Blendenöffnung, desto kleiner die Tiefenschärfe
  • je größer die Blendenzahl, desto kleiner die Blendenöffnung, desto größer die Tiefenschärfe
  • Mit der Blende kannst du die Lichtmenge steuern, die auf Sensor/Film trifft
  • Du steuerst mit der Blende die Tiefenschärfe und rückst damit Bildelemente in den Fokus

So, du hast es geschafft! Mit der Blende hast du das schwierigste Element der Fotografie Grundlagen verstanden. Und nun gibt es gleich noch eine kleine Aufgabe: Schnapp‘ dir deine Kamera. Lege sie auf eine stabile Unterlage oder schraube sie besser noch auf ein Stativ. Suche dir ein Motiv und fotografiere munter eine komplette Blendenreihe (also von kleinster bis größter Blendenzahl) durch. Im Anschluss siehst du dir die Bilder an einem großen Bildschirm an. Interessant, oder?

Blende manuell vorgeben

das moduswählrad einer kamera um die blende manuell zu steuern
Bei den meisten Kameras stellst du mit dem „A“ (bei Canon und Pentax „Av“) die Blendenvorwahl ein.

War ich etwas voreilig und du weißt gar nicht, wie du so eine Bildfolge mit unterschiedlichen Blenden machen sollst? Sieh auf deiner Kamera nach. Du findest auf dem Moduswählrad bestimmt einige Buchstaben: M, A (bei Pentax und Canon auch „Av“), S (bei Pentax und Canon „Tv“), P. Bei kleineren Digitalkameras kannst du mit Sicherheit verschiedene Aufnahmemodi auswählen, wie Sport, Landschaft und so weiter. Häufig findest du dort genau diese Buchstaben. Wählst du den Buchstaben „A“ kannst du der Kamera vorgeben, bei welcher Blende du fotografieren möchtest. Die Kamera berechnet dann den Rest. Fertig. Das klappt mittlerweile auch mit Handykameras. Dort heißt es dann „erweiterter Modus“ oder „Profimodus“. 🙂

Die Blende – eine fotografische Erklärung
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