Drittelregel – Goldener Schnitt: 2 simple Wege für bessere Fotos

Drittelregel und Goldenem Schnitt sind DIE Abkürzung, wenn du ab sofort deine Bilder verbessern möchtest. In diesem Artikel findest du alles, was du brauchst, um noch heute herausragende Fotos zu machen.

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„Wer als Anfänger die Gestaltungsregeln der Fotografie ignoriert, hat keinen Verstand. Wer sich aber fotolebenslang daran klammert, hat keine Phantasie.“

Detlev Motz

Die beiden am einfachsten anwendbaren Gestaltungsregeln in der Fotografie sind: Der Goldene Schnitt und die Drittelregel.

Ich beglückwünsche dich: Nach Detlev Motz bist du ein Mensch mit Verstand. Und um zu einem Menschen mit Phantasie zu werden, erkläre ich dir hier die beiden Bildgestaltungsregeln. Denn nur was du kennst, kannst du bewusst brechen.

Ganz praktisch

Mit Drittelregel und Goldenem Schnitt teilst du dein Foto in verschiedene Bereiche auf.

Beim Goldenen Schnitt folgt diese Aufteilung einem mathematischen Verhältnis. Dazu an späterer Stelle mehr.

Grundlegend für die Bildgestaltung nach Drittelregel und Goldenem Schnitt: mit jeweils vier Geraden teilst du dein Bild auf. Nach dem Goldenen Schnitt sieht das dann folgendermaßen aus:

sonnenuntergang auf see mit zwei inseln und eingezeichnetem schema des goldenen schnitts

Mit der Drittelregel sieht die Aufteilung des Bildes wie folgt aus:

drittelregel und goldener schnitt raster auf dem gleichen bild

Wie du siehst: Nach der Drittelregel liegen die Bildinhalte leicht anders als nach dem Goldenen Schnitt. Genauer formuliert: Nach der Drittelregel erhältst du neun gleich große Rechtecke. Mit dem Goldenen Schnitt entstehen unterschiedlich große Rechtecke, die im Verhältnis 1:1,618… stehen.

Für ein ansprechendes und vor allem harmonisch wirkendes Foto platzierst du dein Hauptmotiv entweder auf einen der vier Knotenpunkte. Oder auf einer der vier Linien. Im Beispielbild oben entschied ich, dem farbintensiven Himmel mehr Raum im Bild zu geben. Deswegen legte ich den Horizont auf die untere Gerade.

Und wozu das Ganze?

Fotos wirken harmonischer, wenn die wichtigsten Bildinhalte nicht mittig platziert sind.

Liegt das Hauptmotiv in der Mitte entsteht häufig keine Beziehung zur Umgebung. Es fehlt an Dynamik und Spannung.

Ein weiterer Grund gegen eine mittige Platzierung: Selten gibt es eine elegante Blickführung. Eine Führung durch das Bild hilft Zuschauenden aber ungemein. So werden deine Bilder besser und dadurch häufiger wahrgenommen.

Durch die dezentrale Anordnung schaffst du Dynamik und steuerst die Aufmerksamkeit des Publikums. Im Eingangsbild lenke ich durch die Aufteilung in zwei Drittel Himmel, ein Drittel Wasser das Augenmerk auf den Himmel. Einfach weil der Himmel wahnsinnig spektakulär daher kam. So entsteht durch das Verhältnis 1/3 : 2/3 ein Anhaltspunkt für Betrachtende.

Mit dieser Aufteilung nimmst du dein Publikum an die Hand und teilst durch deine Gestaltung mit, was im Foto wichtig ist.

leuchtturm in sanddüne mit blauem himmel und wolkenband im goldenen schnitt
Leuchtturm, Wolkenband und Düne liegen auf Geraden nach Goldenem Schnitt. Die Folge: Klarer Bildaufbau, ansprechendes und spannendes Foto.

Wenn du fotografieren gehst, denke daran dein Motiv bewusst in einem der Drittel zu positionieren.

Auch wenn ich hier stärker auf die Drittelregel eingehe: Die Argumente gelten auch für den Goldenen Schnitt. Die Drittelregel lässt sich in Gedanken aber einfacher anwenden und umsetzen. Zudem verfügen die meisten Kameras über die „Gitternetzfunktion“, die häufig in der Drittelregel eingestellt werden kann.

Ganz praktischer Hinweis: Wenn du nach der Drittelregel fotografierst, rückst du die wichtigen Bildinhalte einfach ein wenig nach innen und, Tada!, sie liegen im Goldenen Schnitt.

Übrigens: Natürlich sind Drittelregel und Goldener Schnitt nur zwei Möglichkeiten der Bildgestaltung. Sie bieten Orientierung. Und es hilft dir zu Beginn, deine Hauptmotive dezentral anzuordnen. Wie aber im Eingangszitat schon angemerkt: Die Regeln sind wichtig zu kennen, aber keine heiligen Dogmen.

Und noch ein letztes Argument, weshalb du dich mit Bildgestaltung beschäftigen solltest:

Mit Drittelregel und Goldenem Schnitt verbesserst du deine Fotos deutlich. Mit minimalem Aufwand. Probiere es aus. Ich garantiere dir, dass die Resonanz zu deinen Bildern steigen wird.

Wann Goldener Schnitt und Drittelregel anwenden?

Beide Gestaltungsregeln erzeugen harmonisch wirkende Bilder.

Entsprechend reizvoll kann ein Foto wirken, wenn dein Motiv selbst Harmonie ausstrahlt.

hundegesicht ronja im goldenen schnitt mit angewendetem goldenen Schnitt
hundegesicht ronja im goldenen schnitt
Ronja genießt die Sonne im Herbst. Der Goldene Schnitt unterstützt die entspannte Atmosphäre.

So können die Gestaltungsregeln den harmonischen Eindruck deines Bildes unterstreichen und verstärken.

Aber auch der entgegengesetzte Fall ist sinnvoll. Wenn du ein Motiv fotografierst, dass einen Konflikt darstellt, können Goldener Schnitt und Drittelregel mit ihrer Harmonie eine starke Spannung ins Bild bringen. Es kommt dann innerhalb des Fotos zu Widersprüchen und Kontrasten. Deine Aufnahme wird lebendig. Mehr zu Kontrasten findest du in meinem Artikel: Kontraste – sorge für Spannung in deinem Bild.

Hast du beide Regeln verinnerlicht kannst du beide Regeln auch bewusst brechen. Das meint übrigens Detlev Motz mit seinem zweiten Satz aus dem Zitat oben: „Wer sich aber fotolebenslang daran klammert, hat keine Phantasie.“

minimalistisches bild der ostsee mit türkisfarbenem himmel und einem kleinen streifen meer
Keine Drittelregel und auch kein Goldener Schnitt. Regel sind zum Brechen da.

Und in der Phantasie liegt die Kreativität.

Warum du dich mit Gestaltungsregeln auseinandersetzen solltest

Als ich seinerzeit meine ersten Bilder in Fotoforen veröffentlichte, blieben Reaktionen aus. Wenn sich doch mal eine Person zu meinen Fotos äußerte, erhielt ich häufig den Hinweis auf langweilige Gestaltung, fehlende Spannung und kaum Dynamik.

Kieler Förde im Abendlicht
Eins meiner wirklich ersten Fotos. Warum ich auf den Auslöser drückte? Keine Ahnung.

In meiner Frustration wühlte ich mich durch das Internet und fand nur spärliche Hinweise auf Gestaltungsregeln. Erst nach und nach kam ich dahinter, was mit dem Begriff „Bildgestaltung“ gemeint sein könnte.

Dabei unterlag ich anfangs einem Irrtum:

„Wie soll ich denn in der Landschaftsfotografie ein Bild ‚gestalten‘?! Ich fotografiere doch genau das, was ich sehe. Ich kann ja schlecht irgendwelche Bäume oder Äste absägen!“

Irgendwann fiel mir auf, dass ich mit dem Bildausschnitt Zuschauende beeinflussen kann. Ein kleiner Kameraschwenk und die störenden Äste werden zu einem Rahmen. Ein weiterer Schwenk und mein Hauptmotiv liegt im linken Bilddrittel und mein Foto erzeugt Spannung. Oder ich bewege mich ein wenig und der Hintergrund verschwindet. Stichwort Perspektive: Die Perspektive – ein unterschätztes Mittel der Fotografie.

Wow!

Häufig vergaß ich anfangs die Drittelregel und den Goldenen Schnitt. Meist schnippelte ich im Nachhinein am Rechner die Bilder dann entsprechend zu. Auch ein probates Mittel.

Bis mir nach ein paar Monaten beide Gestaltungsregeln schon fast in Fleisch und Blut übergingen.

straße in irland führt in rechts kurve auf wolkenverhangene berge zu
Aufgenommen 2009 in Irland. Offensichtlich orientierte ich mich zu der Zeit stark an der Drittelregel.

Und siehe da: Ich bekam plötzlich Resonanz zu meinen Fotos!

Bildgestaltung: Die Abkürzung für deutlich bessere Bilder.

Warum ich Drittelregel und Goldenen Schnitt besonders Einsteigenden empfehle? Beide Regeln lassen sich sehr einfach lernen und umsetzen. Und der Erfolg wird sofort sichtbar.

Bei überschaubarem Aufwand verbesserst du deine Bilder damit auf einfache und kostenlose Weise.

Dazu sorgen solche Gestaltungsregeln dafür, dass du dir bei deinen Fotos Gedanken machst, dich viel intensiver mit den Inhalten beschäftigst und dich mit deinem Motiv auseinandersetzt. Klingt zwar nicht sonderlich spektakulär, verbessert deine Bilder aber entscheidend. Du wirst sehen.

Wenn du also auf der Suche nach einer Abkürzung zu tollen Fotos bist: Fotografiere nach Drittelregel und Goldenem Schnitt. Du wirst sehen, wirksame Bildgestaltung schlägt Technik um Längen.

Die beiden Kompositionsmuster sind die bekanntesten Gestaltungsmittel in der Fotografie. Aber beileibe nicht die einzigen. Daneben gibt es auch noch die Fünftelregel, die Diagonalregel und viele weitere mehr. Aber irgendwo musst du ja schließlich mal anfangen.

An dieser Stelle hast du genug Handwerkszeug um loszulegen. Wenn dich aber die Hintergründe zu den Regeln interessieren und du weitere Inspiration und Beispielbilder suchst: Dann lies weiter.

Wenn du direkt in die Praxis springen willst: Zu den Aufgaben.

Die Drittelregel

Vier Geraden. Zwei Senkrecht, zwei Waagerecht.

Das reicht aus, deine Fotos deutlich ansprechender zu gestalten.

In einigen Kameras kannst du dir dieses Gitternetz im Sucher einblenden lassen. So bleibt dir die Drittelregel in Erinnerung und du kannst sie nicht mehr vergessen.

Die Drittelregel entwickelte sich mit der Fotografie am Ende des 19. Jahrhunderts. Zwar orientierten sich auch schon andere Künste an dieser Art der Komposition. Popularität erreichte die Drittelregel mit der Verbreitung der Fotografie durch die Kamera Kodak No. 1 im Jahre 1888. Diese Kamera vereinfachte die Fotografie stark und öffnete sie damit für ein breites Publikum.

Gleichzeitig entstand mit der Verbreitung auch der Wunsch nach ansprechenden und spannenden Bildern. Und so erfuhr die Drittelregel ebenfalls Popularität.

Schauen wir uns im Folgenden an, weshalb die Drittelregel funktioniert und was das mit unserer menschlichen Wahrnehmung zu tun hat.

Erklärung der Drittelregel

Wie schon beschrieben, teilt die Drittelregel mit zwei senkrechten und zwei waagerechten Geraden das gesamte Bild in neun gleiche Rechtecke auf.

Das Hauptmotiv und andere markante Bildinhalte legst du am sinnvollsten auf die vier Schnittpunkte. Oder, wenn es Linien sind, wie der Horizont, auf die Geraden.

sonnenuntergang am strand mit rauschender welle und drittelregel raster
sonnenuntergang am meer mit steinstrand im vordergrund in anwendung drittelregel

Durch das Ungleichgewicht sorgst du für eine spannendere und ansprechendere Wahrnehmung deines Bildes:

  1. Es entsteht der Eindruck von Bewegung und Dynamik.
  2. Du vermittelst Ausgewogenheit und Natürlichkeit.
  3. Du schaffst negativen Raum, der in Beziehung zum Hauptmotiv steht.
  4. Du gibst eine Blickführung vor.

Durch die gedrittelte Anordnung entsteht Spannung in deinem Bild. Und diese sorgt für den Eindruck von Bewegung und Dynamik. Dein Foto wirkt direkt lebendiger.

Trotz des Ungleichgewichts wirken die Verhältnisse nach der Drittelregel ausgewogen und harmonisch. Gleichzeitig sorgt die Asymmetrie für Natürlichkeit.

Zusätzlich erhält der Negativraum deines Fotos eine Bedeutung und steht in einem Verhältnis zu deinem Hauptmotiv. Dies sorgt häufig dafür, dass du in deinem Bild überhaupt Leerstellen (genannten Negativraum) integrierst. Nicht einfach nur als Leerstelle, sondern mit einer Funktion in Bezug auf dein Motiv.

Und mit der Blickführung erleichterst du deinem Publikum den Zugang zu deinen Bildern. Das sorgt für eine angenehme Erfahrung.

Nach der Theorie zwei praktische Beispielszenarien für die Drittelregel.

Die Drittelregel in der Landschaftsfotografie

bank auf fels vor fjord voller eis zum sonnenuntergang mit mond
Die Drittelregel in Anwendung. Auf allen vier Kreuzpunkte finden sich interessante Bildelemente.

Im Bildbeispiel nutzte ich die Drittelregel für die Anordnung der drei wesentlichen Bildelemente: Mond, Bank, Eisberg.

Der große markante Eisberg links reicht ziemlich genau vom linken unteren bis zum linken oberen Knotenpunkt. Und auf der gegenüberliegenden Seite liegen auf den Knoten der schimmernde Mond und die Bank.

Als ich das Foto aufnahm, herrschte um mich herum fast vollkommene Stille. Lediglich durchbrochen vom knackenden und krachenden Eis und dem Atemgeräuschen einer Gruppe Buckelwale. Die natürliche und friedliche Stimmung wollte ich in einem Foto festhalten. Möglichst harmonisch. Und oben siehst du das Ergebnis.

Was noch dazu kommt: Nimmst du auf der Bank Platz, guckst du in die Richtung des Eisberges. Die Blickrichtung der Bank habe ich versucht im Bild ebenfalls zu beachten. Deshalb hat die Bank nach links mehr Raum als nach rechts. Als Perfektionist spielte ich noch mit dem Gedanken, das ganze Bild nachträglich zu spiegeln. So dass die Blickrichtung von der Bank unserer natürlichen Leserichtung entspricht. Aber ich wollte es dann doch nicht übertreiben.

Besonders häufig begegnet dir die Drittelregel bei Fotos vom Meer. Zumindest sollte sie dir da sehr häufig begegnen.

Die klare Horizontlinie liegt für einen angenehmen Bildausdruck meist auf der oberen oder der unteren Drittellinie. Je nach dem, worauf im Foto der Fokus liegen soll: Wasser oder Himmel.

bachlauf am sandstrand am meer mit lockerer bewölkung fokus durch drittelregel auf strand
Zwei Drittel Strand und Meer. Der Bachlauf findet mehr Beachtung.
bachlauf am sandstrand am meer mit lockerer bewölkung fokus durch drittelregel auf himmel
Zwei Drittel Himmel. Die Wolken rücken ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Die Drittelregel bei Portraitaufnahmen

Portraits profitieren ebenfalls stark von der Drittelregel. Allein schon die Aufteilung sorgt für einen gänzlich anderen Eindruck. Oder bist du mit deinem biometrischen Passbild zufrieden?

Nutze den entstehenden Negativraum um der portraitierten Person einen Zusammenhang zu geben. Oder einfach nur ein wenig Luft zum Atmen.

ronja am strand
Ronja im linken Bilddrittel. Der viele Platz im Bild gibt ihr Kontext. Wir sind an einem ihrer Lieblingsplätze: am Strand.

Wenn du Menschen in Bewegung fotografierst, versuche eines der Bilddrittel in Laufrichtung komplett frei zu lassen. Auch das wirkt sofort (bitte entschuldige den miesen Hintergrund der Bilder…):

Bei Fotos von Gesichtern bietet es sich übrigens an, die Augen an die oberen oder unteren beiden Knotenpunkte zu legen.

Die Drittelregel in der Praxis intuitiv nutzen

Bevor du etwas intuitiv nutzen kannst, musst du es verinnerlichen. Soweit so klar.

Und um dorthin zu kommen, nimm jetzt deine Kamera zur Hand.

Suche in deinem Menü den Eintrag mit dem Titel „Bildschirminfos“ oder „Displayinformationen“ oder sowas in der Art.

Dort aktivierst du das Gitternetz.

Nimm den Gegenstand rechts von dir.

Mach‘ drei Fotos:

  1. Das Motiv in der Bildmitte.
  2. Das Motiv erstreckt sich über ein Bilddrittel.
  3. Das Motiv erstreckt sich über zwei Bilddrittel.

Und nun sieh dir die Bilder an und vergleiche sie.

In 98 % aller Fälle wirkt das erste Bild sehr langweilig. Fotos 2 und 3 hingegen bringen durch die dezentrale Anordnung direkt mehr Spannung ins Bild. Und mit der unterschiedlichen Aufteilung siehst du auch gleich die unterschiedliche Gewichtung wirken.

Nach der Drittelregel zeige ich dir den Goldenen Schnitt. Mit diesem Teilungsverhältnis gewinnst du direkt zwei Gestaltungsraster.

Der Goldene Schnitt

Der Goldene Schnitt entstammt der Mathematik. Er beschreibt ein Teilungsverhältnis, welches als ästhetisch und ausgewogen wahrgenommen wird.

Genau genommen handelt es sich beim Goldenen Schnitt weniger um ein Mittel zur Bildgestaltung. Wir leiten uns aus dem Teilungsverhältnis aber zwei Kompositionsraster ab.

Das Verhältnis beschreibt folgendes: Wir teilen eine Strecke in zwei Teile. Die längere Strecke steht zur kürzeren im Verhältnis 1,6180… : 1. Die Gesamtstrecke steht ihrerseits zur längeren Teilstrecke ebenfalls in einem Verhältnis von 1,6180… : 1.

goldener schnitt in schematischer darstellung
a und b stehen im Verhältnis 1,6180… : 1. Genau wie ab zu a im Verhältnis 1,6180… : 1 steht.

Das als harmonisch wahrgenommene Teilungsverhältnis lässt sich in die verschiedenen Künste integrieren. Sei es Malerei, Bildhauerei oder Architektur. Und die Fotografie.

bergsee mit spiegelung der schneebedeckten berge und raster des goldenen schnitt
Das Raster des Goldenen Schnitts. Die Geraden stehen im genannten Teilungsverhältnis von 1:1,618

Denn das Teilungsverhältnis lässt sich auf viele weitere geometrische Figuren anwenden. Beispielsweise in einem Kreis. Dazu im nächsten Kapitel mehr.

Kurzer historischer Überblick

Das Konzept des Goldenen Schnitts ist sehr alt. Bereits weit vor unserer Zeit gingen Mathematiker in der griechischen Antike diesem Verhältnis nach.

Als einer der ersten, bekannten, griechischen Gelehrten beschäftigte sich Pythagoras mit dem Goldenen Schnitt. Das war im 6. Jahrhundert vor Christus. Etwa 300 Jahre später verfasste der Mathematiker Euklid sein Werk „Elemente“. Darin beschreibt er unter anderem die innere Teilung des platonischen Körpers. Übersetzt wurden diese Überlegungen mit der Überschrift: „Teilung im inneren und äußeren Verhältnis“.

Den wohlklingenden Namen erhielt das Teilungsverhältnis allerdings erst 2.000 Jahre später. Im 19. Jahrhundert. Genauer: Durch den Mathematiker Martin Ohm. Er übersetzte in seinem 1835 veröffentlichten Werk „Die reine Elementar-Mathematik“ den Begriff „divina proportio“ mit „Goldener Schnitt“.

Auffällig bei aller Mathematik: Der Goldene Schnitt ist kein rein mathematisches Konzept. Im Gegenteil.

Das Verhältnis des Goldenen Schnitts findet sich bei vielen Pflanzenarten in der Anordnung ihrer (Blüten-)Blätter. Beispielsweise eine Rosenblüte. Die Blüten sind kreisförmig angeordnet, wobei jedes Blütenblatt die Strecke des Blütenkreises im Goldenen Schnitt teilt.

Eng mit dem Goldenen Schnitt verwandt: Die Fibonacci-Folge

Eine einfache wie verbreitete Zahlenfolge beruht auf dem Goldenen Schnitt und ist stark mit dem Mathematiker Leonardo da Pisa, genannt Fibonacci, verbunden: Die Fibonacci-Folge.

In dieser Folge wird die folgende Ziffer immer mit der vorhergehenden Ziffer addiert:

0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89 … .

Teilen wir die größere Zahl durch die vorhergehende kleinere Zahl, landen wir dicht am Teilungsverhältnis des Goldenen Schnitts: 1,6180… .

Die Fibonacci-Folge wiederum gibt dir ebenfalls eine Möglichkeit der Bildgestaltung an die Hand. Ich erkläre dir kurz den Hintergrund:

Mit dieser Zahlenfolge erklärte Leonardo da Pisa einem Kaninchenzüchter, wieviele Kaninchen er am Ende eines vollen Jahres besitzen würde. Damit beschreibt Fibonacci exponentielles Wachstum in einer sehr einfachen Form.

Aber auch an anderer Stelle stößt du in der Natur auf die Fibonacci-Folge: Beispielsweise sind die Samen in einer Sonnenblume in einer Fibonacci-Spirale angeordnet.

fibonaccifolge in einer sonnenblume
Von Dr. Helmut Haß, Koblenz – Übertragen aus de.wikipedia nach Commons durch Esculapio mithilfe des CommonsHelper., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6937595

Die Fibonacci-Spirale entsteht durch die Aneinanderreihung von Quadraten. Die Kantenlänge des neuen Quadrats bestimmt sich durch die Summe der beiden vorherigen Quadrate.

graphische darstellung der fibonacci-spirale
Behalte diese Spirale bei einem deiner kommenden Fotos im Kopf und wende sie an. Das Ergebnis wird sehr viel ansprechender.
sonnenuntergang mit welle und ins foto ragenden ästen mit darüber gelegter fibonacchispirale
sonnenuntergang mit welle und ins foto ragenden ästen

Wie schon beschrieben, taucht diese Spirale in der Natur häufig auf. Auch dadurch wirken Bilder mit einem an der Spirale orientierten Aufbau sehr angenehm, ausgewogen und harmonisch.

Zusätzlich schaffst du durch die Berücksichtigung der Fibonacchi-Spirale eine Verbindung deiner Bildelemente und schaffst somit eine starke, angenehme und harmonische Blickführung.

Anwendung des Goldenen Schnitts in der Fotografie

Der goldene Schnitt lässt sich in der Fotografie auf unterschiedlichen Wegen anwenden.

Wie wir oben feststellten, ist der Goldene Schnitt kein reines Ordnungsprinzip wie etwa die Drittelregel. Der Goldene Schnitt ist ein Teilungsverhältnis, dass sich auch auf andere Bereiche und geometrische Figuren anwenden lässt.

So kannst du natürlich dein Bild mit den vier Geraden aufteilen.

Du kannst aber auch das Raster der Fibonacci-Spirale anwenden und so ein ansprechendes und harmonisches Foto erstellen. Lege bei einem Portrait beispielsweise eines der Augen auf den Ausgangspunkt der Spirale.

Ähnlich wie mit der Drittelregel kannst du dennoch mit dem Goldenen Schnitt dein Bild ordnen. So schaffst du Verbindungen, Beziehungen und Dynamik.

eisberge im meer im goldenen schnitt
Der markante Eisberg rechts und die Wasserlinie liegen im Goldenen Schnitt. Und unterstreichen damit die Erhabenheit des Eises.

Am häufigsten kommt der Goldene Schnitt zur Anwendung, wenn harmonische Bildinhalte durch einen harmonischen Bildaufbau unterstützt und verstärkt werden sollen. Also wenn es um Ästhetik in Fotos geht.

Der Goldene Schnitt in der Fotografie – ganz praktisch

Ich mache dir ein Geständnis:

Ich nutze den Goldenen Schnitt nie bewusst beim Fotografieren. Dafür ist mir die Anwendung zu kompliziert. Die Drittelregel ist da wesentlich zuvorkommender.

Den Goldenen Schnitt nutze ich in der Nachbearbeitung. In einigen Bildbearbeitungsprogrammen kannst du dir beim Zuschneiden schon ein Raster anzeigen lassen, dass sich dann, je nach gewähltem Ausschnitt über das Bild legt.

Und damit schneide ich dann meine Bilder nachträglich so zu, dass die wichtigsten Elemente im Goldenen Schnitt liegen. Zumindest, wenn es sich anbietet.

Nach einigen Anwendungen des Goldenen Schnitts klappt das mittlerweile sehr gut und ich sehe schon vor der Bearbeitung, ob ich das Raster des Goldenen Schnitts anwenden kann.

Ich nutze die kostenlose Software Gimp dafür. Mehr zur (meiner) Bildbearbeitung mit Gimp findest du übrigens im Artikel: Bildbearbeitung mit Gimp – Zaubere aus guten Fotos herausragende

Exkurs: Zuschneiden mit Gestaltungsraster in Gimp

Da ich sehr oft erwähnte, dass ich im Nachhinein meine Bilder beim Zuschneiden nach den Gestaltungsregeln ausrichte, hier eine kleine und kurze Anleitung wie ich mit Gimp dabei vorgehe.

1. Ausschneidewerkzeug auswählen

gimp ausschneidewerkzeug auswählen

Im Werkzeugkasten oder mit der Tastenkombination „Shift“ + „c“ das Ausschneidewerkzeug auswählen.

2. In den Werkzeugeinstellungen das gewünschte Gestaltungsraster auswählen

gestaltungsraster drittelregel oder goldener schnitt in gimp auswählen

In den Werkzeugeinstellungen findest du ziemlich weit unten die Schaltfläche mit der Ausgangsbeschriftung: „Keine Hilfslinien“. Klicke auf diese Schaltfläche und es öffnet sich der Dialog wie im Bild oben. Ich wähle im Beispiel den Goldenen Schnitt.

3. Die Schneidemaske aufziehen

ausschneidemaske mit gestaltungsraster nach goldenem schnitt wird über dem bild aufgezogen

Mit gedrückter linker Maustaste ziehst du nun die Schneidemaske über dein Bild. An den Ecken links und rechts kannst du diese Maske anpassen, bis es passt. Und du siehst, die angesprochenen Geraden sind in der Maske zu sehen. So kannst du diese ausrichten, bis die wichtigsten Elemente im Goldenen Schnitt liegen.

Im Beispielbild sind das der Horizont auf der unteren Geraden, die Sonne auf dem Schnittpunkt rechts unten und das markante Wolkenband links oben, welches auf der oberen Geraden liegt. Und passenderweise füllt die Mole mit ihren Steinen das rechte untere Rechteck aus.

4. Das Bild gemäß der Maske zuschneiden

das bild zuschneiden

Ein wenig seltsam in Gimp gelöst: Das tatsächliche Zuschneiden. Also das Löschen der Pixel um die Maske herum. Das aktivierst du mit einem Linksklick auf eines der erscheinenden Recktecke zwischen den Eckanfassern. Diese Rechtecke tauchen an allen vier Seiten auf, je nachdem, wo sich dein Mauszeiger befindet.

5. Ergebnis bewundern

sonnenuntergang im goldenen schnitt am strand mit einer mole

Fertig! So sieht das Ergebnis aus.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Drittelregel und Goldener Schnitt sind sich in ihrer Anwendung auf die Fotografie sehr ähnlich. Dennoch sind es keine Synonyme. Genausowenig, wie die Drittelregel den Goldenen Schnitt ersetzt.

Gemeinsamkeiten:

  • Aufteilung des Bildes in drei Zeilen und drei Spalten
  • vier Knotenpunkte mit starkem Aufmerksamkeitsfokus
  • sorgen für harmonischen Bildaufbau
  • sorgen für Spannung in der Beziehung Hauptmotiv und Negativraum

Unterschiede:

Die Drittelregel

  • Drittelregel findet nahezu ausschließlich in der Fotografie Anwendung
  • Bildaufteilung in neun gleichgroße Rechtecke
  • in der Praxis sehr viel einfacher anzuwenden
  • hat einen rein „menschlichen“ Hintergrund

Der Goldene Schnitt

  • der Goldene Schnitt begeistert die Mathematik seit über 2.500 Jahren und hat damit eine sehr lange Tradition
  • gibt ein harmonisches Teilungsverhältnis einer Strecke an
  • findet sich auch in der Natur ohne menschlichen Einfluss
  • Teilungsverhältnis wird in vielen anderen Feldern, neben der Fotografie, angewandt
  • in verschiedenen Kulturräumen als Ausdruck von Harmonie bekannt und anerkannt

Wann verwende ich denn nun das eine oder das andere?

Mit der Drittelregel liegst du generell so gut wie nie falsch.

Ich lehne mich weit aus dem Fenster und behaupte:

98 % aller Fotos profitiert von der Anwendung der Drittelregel.

Allerdings gibt es Motive, bei denen die Drittelregel hinderlich ist. Besonders dort, wo es um Symmetrie geht. Beispielsweise bei Spiegelungen oder in der Architektur-Fotografie.

kirche innenraum mit stuhlreihen und goldverziertem hochaltar
kirche innenraum mit stuhlreihen und goldverziertem hochaltar mit mittelraster
Mit diesem Bild wollte ich die Symmetrie in der Aegidienkirche in Lübeck einfangen. Deshalb wich ich bewusst von den beiden besprochenen Gestaltungsregeln ab.

Den Goldenen Schnitt hingegen nutze ich nach wie vor meist in der Nachbearbeitung. Wenn ich den Eindruck habe, dass das Motiv meine Bildaussage mit der Harmonie unterstreicht oder sie vielleicht auch im Kontrast dazu steht.

Oder weil ich einfach den Eindruck habe, mein Foto wirkt im Goldenen Schnitt ansprechender.

Weil ich es immer und immer wieder rate: Probiere einfach aus.

Erstelle einfach zwei oder drei Varianten deines Bildes (Drittelregel, Goldener Schnitt und keine Regel) und frage Außenstehende um ihren Eindruck. Die daraus entstehenden Kritiken und Einschätzungen unterstützen dich dabei, Grenzen und Wirkungen der beiden Gestaltungsregeln kennenzulernen und zu erfahren.

Fang an!

Je häufiger du Drittelregel und Goldenen Schnitt anwendest, desto schneller gehen sie dir ins Blut.

Damit du direkt starten kannst, gibt es kleine Aufgaben:

Aufgabe 1

Nimm dir deine Kamera und den Gegenstand rechts von dir.

Stelle den Gegenstand vor eine Wand.

Nimm drei Bilder auf:

  1. Gegenstand in der Bildmitte
  2. Gegenstand zu einem Drittel im Bild
  3. Gegenstand zu zwei Dritteln im Bild

Vergleiche im Anschluss die Fotos an einem großen Bildschirm und achte auf die unterschiedliche Wirkung der Fotos.

Aufgabe 2

Hole deinen Lieblingsfrühstücksbecher.

Diesmal nimmst du vier Fotos auf.

  1. Du platzierst den Becher auf dem Knoten oben links.
  2. Danach auf dem Knoten oben rechts.
  3. Dann auf dem Knoten unten rechts.
  4. Und zum Schluss auf dem Knoten unten links.

Vergleiche auch diese vier Fotos an einem großen Bildschirm miteinander. Wie verändert sich die Wirkung der Bilder durch die unterschiedliche Anordnung?

Aufgabe 3

Begib dich mit deiner Kamera nach draußen.

Fotografiere zwei Blumen (oder auch mehr) deiner Wahl.

Baue dein Foto so auf, dass beide Blumen auf je einem Knotenpunkt nach der Drittelregel liegen.

Tausche die Kontenpunkte, konzentriere dich auf eine Blume, gib den Pflanzen durch den Hintergrund mehr Kontext. Und was dir sonst noch alles einfällt.

Aufgabe 4 (Schietwedderaufgabe)

Starte das Bildbearbeitungsprogramm deiner Wahl.

Prüfe, ob du dir die Raster des Goldenen Schnitts oder der Drittelregel anzeigen lassen kannst.

Bei Gimp funktioniert es mit dem Zuschneidewerkzeug wunderbar. Gimp gibt es hier kostenlos zum Download.

Such dir deine bisherigen Lieblingsfotos heraus und beschneide sie so, dass das jeweilige Hauptmotiv im Goldenen Schnitt liegt oder der Drittelregel entspricht.

Für weitere, einfache Wege zu besseren Fotos trage dich in meine E-Mail-Liste ein und ich schenke dir mein Ebook „6 einfache Rezepte für herausragende Fotos“:

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