Die Blende in der Fotografie – Verstehen, Beherrschen, Nutzen

blende geöffnet muschel am strand zum sonnenuntergang

Die Blende. Einmal verstanden, machst du mit ihr Bilder, keine Schnappschüsse mehr.

Ich liefere dir in diesem Artikel alles, was du zur Blende in der Fotografie wissen musst.

Begib dich mit mir auf Entdeckungsreise und erlebe, wie du deine Fotos mit dem bewussten Einsatz der Blende sofort aus der Masse an Bildern hervor stechen lässt und sichtbar verbesserst.

  1. Ich erkläre dir, wie die Blende funktioniert.
  2. Danach erkläre ich dir, wie du die Blende an deiner Kamera einstellst.
  3. Ich zeige dir, wie du die Blende in deinen Fotos einsetzt.
  4. Mit drei Fotoaufgaben steigst du in die Praxis ein und setzt die Blende bewusst ein.

Bevor wir starten:

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Genug der Vorrede, lass‘ uns loslegen:

Was du über die Technik der Blende wissen musst

Die Blende steuert im Objektiv die Größe der Öffnung, durch die das Licht in die Kamera fällt.

Sie besteht aus einzelnen Lamellen, die eine fast kreisrunde Öffnung ermöglichen.

blende im objektiv markiert
DIe Blende im Objektiv

Die Blende funktioniert im Objektiv wie die Pupille in unseren Augen. Bei Dunkelheit weitet sich die Pupille und lässt dadurch mehr Licht ins Auge. Bei Sonnenschein zieht sich die Pupille zusammen und lässt dadurch weniger Licht ins Auge.

Große Öffnung = viel Licht.

geöffnete blende in einem objektiv
Geöffnete Blende

Kleine Öffnung = wenig Licht.

geschlossene blende in einem objektiv
Geschlossene Blende

Soweit so einfach.

Technisch ist das aber noch nicht alles.

Mit der variablen Größe der Öffnung nimmst du nicht nur Einfluss auf die Menge des Lichts.

Sondern du steuerst mit der Fläche der Blendenöffnung auch den Querschnitt des Lichtbündels, dass in die Kamera fällt.

Große Öffnung = großer Querschnitt.

Kleine Öffnung = kleiner Querschnitt.

Dieser Fakt beeinflusst die Schärfentiefe in deinem Bild.

Mit einer großen Querschnitt stellst du nur einen sehr geringen Teil deines räumlichen Motivs im Bild scharf dar. Mit einem kleinen Querschnitt dehnt sich der Schärfebereich aus. Dein Bild wird „von vorne bis hinten scharf“. Dazu aber an späterer Stelle mehr.

Wir halten fest:

  • die Blende bezeichnet die Öffnung im Objektiv, durch die Licht in die Kamera strömt
  • diese Öffnung ist variabel
  • die Blende wirkt sich auf die Belichtung deines Bildes aus
  • die Blende wirkt sich auf die Schärfe und ihre Ausdehnung in deinem Bild aus

Das (scheinbare) Paradoxon mit Blendenzahl und Blendenöffnung

Die Öffnung der Blende wird mit einem Zahlenwert angegeben.

Das sieht beispielsweise so aus: „f8“ oder „f/8“ oder „1:8“.

Hast du bestimmt auch schon gesehen. In der Regel steht dieser Zahlenwert vorn auf dem Objektiv drauf:

angabe der größten blendenöffnung auf einem objektiv
Die eingekreiste Zahl gibt die maximale Blendenöffnung an.

Und genau hier wird es kompliziert.

Denn paradoxerweise gibt eine kleine Zahl, wie „f2“, eine sehr große Blendenöffnung an.

Eine große Zahl,, zum Beispiel „f16“, bezeichnet eine sehr kleine Blendenöffnung.

Der eingekreiste Wert im Bild gibt einen Hinweis: Bei der Blendenzahl handelt sich um einen Bruch beziehungsweise ein Verhältnis.

Angegeben wird mit der Blendenzahl das Verhältnis zwischen Brennweite (f) und Fläche der Blendenöffnung.

Das abgebildete Objektiv oben hat eine Brennweite von 50 Millimetern. Bei komplett geöffneter Blende strömt das Licht durch eine Öffnung mit einer Fläche von 25 Quadrat-Millimetern. Also beträgt die Blendenöffnung die Hälfte der Brennweite.

Also ½. Oder, wie auf das Objektiv gedruckt: 1:2.

Die Blendenzahl gibt dir nur den Nenner des Bruches an.

Und da ½ größer ist als ¼, ist die Öffnung der Blende auch größer.

Dieser Zusammenhang verläuft streng mathematisch. Der Wert zwischen den einzelnen Blendenstufen vergrößert/verringert sich jeweils um den Faktor √2.

Die Blendenreihe

Die Blendenzahlen ordnen sich in eine sogenannte Blendenreihe ein. Nach der ganzen Mathematik: So sieht eine Blendenreihe aus:

1 | 1,4 | 2 | 2,8 | 4 | 5,6 | 8 | 11 | 16 | 22 | 32 | 45 | 64 | …

Jeder Schritt halbiert den Querschnitt des in die Kamera strömenden Lichtbündels.

Durchgesetzt hat sich die Drittelung der Blendenzahlen:

1 | 1,1 | 1,2 | 1,4 | 1,6 | 1,8 | 2 | 2,2 | 2,5 | 2,8 | 3,2 | 3,5 | 4 | 4,5 | 5,0 | 5,6 | 6,4 | 7,1 | 8 | 9 | 10 | 11 | 13 | 14 | 16 | 18 | 20 | 22 | 25 | 29 | 32

Oder vereinfacht gesagt:

  • große Blendenzahl = kleine Öffnung
  • kleine Blendenzahl = große Öffnung

Diese Drittelung der Blendenstufen findest du auch bei der Belichtungszeit und bei der Lichtempfindlichkeit (ISO-Wert).

Der Einfluss der Blende auf die Belichtung

Wo wir eben schon tiefer in die Mathematik eingestiegen sind:

1 | 1,4 | 2 | 2,8 | 4 | 5,6 | 8 | 11 | 16 | 22 | 32 | 45 | 64 …

Diese aufsteigende Blendenreihe halbiert von Zahl zu Zahl das Licht in der Kamera.

Vergrößerst du die Blende in den obigen Schritten (also von 8 auf 5,6) gelangt doppelt soviel Licht in die Kamera.

Diese Unterschiede kannst du für eine gleichbleibende Belichtung auf zwei Wegen ausgleichen:

  1. Mit der Belichtungszeit.
  2. Mit der Lichtempfindlichkeit (dem ISO-Wert).

Beispiel 1:

Du fotografierst deinen rennenden Hund bei Blende 4 mit ISO 200 und einer Belichtungszeit von 1/2000 Sekunde.

Erhöhst du den Blendenwert auf 5,6, gerät dein Bild zu dunkel. Denn geschlossenere Blende von 5,6 schluckt die Hälfte des Lichts. Du hast nun zwei Wege diesen Lichtverlust auszugleichen:

Weg 1: Du verlängerst die Belichtungszeit. Da der Unterschied der Blende genau eine Stufe ausmacht, halbierst du die Belichtungszeit. Du fotografierst also mit 1/1000 Sekunde. Es gelangt doppelt so viel Licht in die Kamera wie vorher.

Weg 2: Du erhöhst die Lichtempfindlichkeit deines Sensors. Bei einer vollen Blendenstufe verdoppelst du den ISO-Wert. Also von 200 auf 400.

Dieses Rechenspiel können wir beliebig fortführen:

Bei Blende 8 in unserem Beispiel hast du folgende Möglichkeiten:

  • Weg 1: Blende 8, ISO 200, 1/500 Sekunde
  • Weg 2: Blende 8, ISO 800, 1/2000 Sekunde
  • Weg 3: Blende 8, ISO 400, 1/1000 Sekunde

Wie du siehst: Auch eine Kombination aus beiden Wegen ist möglich.

Umgekehrt funktioniert es genauso. Verwendest du also statt Blende 4 einen Wert von 2,8, verändern sich die Werte folgendermaßen:

  • Weg 1: Blende 2,8, ISO 200, 1/4000 Sekunde
  • Weg 2: Blende 2,8, ISO 100, 1/2000 Sekunde

Diesen Zusammenhang stellst du dir am besten in Form eines Dreiecks vor. Näheres zu diesem Zusammenhang findest du in meinem Artikel „Das Belichtungsdreieck – wie Blende, ISO und Zeit zusammenhängen„.

Beispiel 2

Für etwas mehr Anschaulichkeit ein Bildbeispiel. Den Plüschotter nahm ich mit folgenden Einstellungen auf:

  • Blende f/2,
  • Belichtungszeit: 1/50 Sekunde
  • ISO-Wert: 160
plüschotter mit weit offener blende fotografiert

In der nächsten Aufnahme schloss ich die Blende auf f/5,6. Das entspricht drei Blendenstufen: 2 –> 2,8 –> 4 –> 5,6. Um die Belichtung auszugleichen, verlängerte ich im nächsten Bild die Belichtungszeit. Ich halbierte die Zeit dreimal: 1/50 –> 1/25 –> 1/12 –> 1/6.

  • Blende f/5,6,
  • Belichtungszeit 1/6 Sekunde,
  • ISO-Wert 160
plüschotter mit geschlossener blende fotografiert belichtungszeit verlängert

Willst du den Helligkeitsverlust durch die geschlossene Blende ausgleichen, kannst du aber auch die Lichtempfindlichkeit des Sensors (den ISO-Wert) erhöhen. Wie schon erwähnt, von Blende f/2 zu Blende f/5,6 sind es drei Stufen. Folglich muss ich den ISO-Wert dreimal verdoppeln: 160 –> 320 –> 640 –> 1250.

  • Blende f/5,6,
  • Belichtungszeit 1/50 Sekunde,
  • ISO-Wert 1250.
plüschotter mit geschlossener blende fotografiert lichtempfindlichkeit erhöht

Pure Mathematik. Allerdings keine höhere, so dass selbst ich das im Kopf noch hin bekomme. 🙂

Genug des Kopfrechnens, wenden wir uns jetzt dem Grund zu, weshalb du die Blende überhaupt veränderst.

Wie du mit der Blende die Schärfentiefe beeinflusst

Wie eingangs erwähnt, beeinflusst die Blende nicht nur die Belichtung deines Bildes.

Mit der Blende steuerst du die Tiefe der Schärfe in deinem Bild:

Wassertropfen auf grünem blatt mit verschwommenem hintergrund

Solche Bilder kennst du?

Dieses Bild zeigt nur einen sehr kleinen Bereich scharf, den mit dem Wassertropfen am Blatt. Alles davor und dahinter versinkt in Unschärfe.

Die Gründe dafür finden wir in der Physik.

Und ja, nach einem Ausflug in die Mathematik wenden wir uns nun für einen Moment der Physik zu.

Im Objektiv wird das Licht durch verschiedene Linsen gebündelt, gebrochen und auf den Sensor projiziert.

Den Bündelungspunkt kannst du variieren, mit dem Fokus. Im Alltag auch „scharf stellen“ genannt.

Das sieht, stark vereinfacht, in etwa so aus:

schema offene blende
Sehr weit geöffnete Blende
schema geschlossene blende
Geschlossene Blende

Soweit so einfach. Anders sieht es aus, wenn ein Punkt vor oder hinter dem fokussierten Punkt liegt.

schema punkt vor der schärfeebene
Punkt vor dem fokussierten Punkt
schema punkt hinter der schärfeebene
Punkt hinter dem fokussierten Punkt

So sieht es mit weit geöffneter Blende aus.

Die Unschärfe entsteht durch den „Zerstreuungskreis“ (in der Darstellung rechts auf dem beigen Hintergrund). Dieser vergrößert sich, wenn ein beliebiger Punkt außerhalb der Schärfeebene liegt.

Die Größe des Kreises hängt von der Entfernung zur Schärfeebene ab.

Und je größer dieser Zerstreuungskreis ist, desto unschärfer wirkt die Darstellung im Bild.

Durch die variable Blende wirkst du dem entgegen:

schema punkt vor der schärfeebene geschlossene blende
schema punkt hinter der schärfeebene geschlossene blende

Mit dem Schließen der Blende reduzierst du den Querschnitt des Strahlenbündels.

Und gleichzeitig verkleinerst du den Zerstreuungskreis der Punkte außerhalb der Schärfeebene.

Je kleiner dieser Zerstreuungskreis, desto schärfer sieht dieser Punkt im Foto aus.

Je kleiner du die Blendenöffnung einstellst (eine kleine Blendenzahl wählst), desto mehr Schärfentiefe bekommst du in dein Foto.

Übrigens, auf geogebra.org findest du ein interaktives Tool, welches dir die Zerstreuungskreis-Funktion extrem gut erklärt. Zum interaktiven Schärfentiefe-Beispiel.

Lass‘ uns Folgendes festhalten:

Eine kleine Blendenzahl bedeutet:

  • eine große Blendenöffnung
  • eine geringe Schärfentiefe
  • eine große Menge Licht gelangt in die Kamera und ermöglicht dir kurze Belichtungszeiten und/oder geringe ISO-Werte

Eine große Blendenzahl bedeutet:

  • eine kleine Blendenöffnung
  • eine große Schärfentiefe
  • eine geringere Menge Licht gelangt in die Kamera, welche du mit langen Belichtungszeiten und/oder höheren ISO-Werten ausgleichst

Viel Schärfe im Bild – also immer eine große Blendenzahl?

Ganz so einfach ist es leider nicht.

Denn mit der Verkleinerung der Blendenöffnung tritt ein weiteres physikalisches Gesetz immer stärker in Erscheinung: Die sogenannte Beugungsunschärfe.

Ich versuche meine Erklärung allgemein verständlich zu halten.

Schließt du die Blende, entsteht zunehmend mehr Raum direkt hinter der Blende.

Das eintreffende Licht nutzt diesen Raum um sich zu zerstreuen. Und je mehr unausgefüllter Raum hinter der Blende vorhanden ist, desto stärker zerstreut es sich.

Dies wiederum hat Auswirkungen auf die Darstellung auf dem Sensor.

Wir bekommen es nun wieder mit größeren Zerstreuungskreisen zu tun. Entsprechend erscheint das Foto unscharf.

Ja, auch dazu gibt es Gesetzmäßigkeiten und Formeln. Wenn es dich interessiert, die Stichworte lauten: Beugungsscheibchen, Airy-Disc und Beugung/Diffraktion.

Für die Praxis will das folgendes bedeuten:

Bei weit geschlossenen Blenden (also sehr großen Blendenzahlen) nimmt die Schärfe im Bild wieder ab.

Wie stark die Beugungsschärfe ausfällt und wie sehr es dich stört, musst du selbst heraus finden. Eine allgemeingültige Aussage gibt es nicht.

Der beste Kompromiss liegt wohl im Bereich f/8 bis f/11.

Dennoch rate ich zur Entspannung. Sehr häufig fallen diese Unschärfen erst in der 100%-Ansicht auf. Ähnlich wie das Bildrauschen.

Was du machen kannst:

  1. Schnapp‘ dir deine Kamera.
  2. Such dir ein schönes Motiv.
  3. Fotografiere eine komplette Blendenreihe durch.
  4. Sieh dir die Bilder im Anschluss an einem Computermonitor an. Am besten so, dass das Foto den Bildschirm ausfüllt.
  5. Lege für dich fest, welche maximale Blende für dich noch akzeptabel ist.

Das war es im Prinzip auch schon.

So stellst du die Blende an deiner Kamera ein

So, geschafft. Nach Mathe und Physik kommen wir nun zur Praxis.

Ich verrate dir, wie du die Blende an deiner Kamera einstellst.

Sehr viele Kameras verfügen über ein Moduswählrad.

moduswählrad einer kamera

Dort kannst du verschiedene Aufnahmemodi auswählen, zum Beispiel für Sport, Portrait, Landschaften … .

Auf diesem Moduswählrad findest du aber auch Buchstaben. Bei den meisten Herstellern sind das:

  • M, manuelle Belichtungseinstellung
  • A (bei Canon und Pentax Av), Blendenpriorität (du gibst der Kamera eine Blende vor, sie berechnet den Rest)
  • S (bei Canon und Pentax Tv), Belichtungszeitpriorität (du gibst der Kamera die Belichtungszeit vor, sie berechnet den Rest)
  • P, Belichtungsautomatik (Kamera berechnet Blende und Belichtungszeit, du stellst alles andere ein)
moduswählrad einer kamera mit markierten programmmodi m, s, a, p

Methode 1: Die Halbautomatik für die Blendensteuerung

Die erste Möglichkeit und vermutlich am häufigsten verwendete:

moduswählrad mit markiertem programmmouds a für blendensteuerung

Der Modus A oder Av. In diesem Modus steuerst du die Blende. Und deine Kamera passt die Belichtung an den Blendenwert an.

So erkennst du am einfachsten, was sich bei unterschiedlichen Blendenwerten verändert.

Wenn du dich jetzt fragst: „Schön, aber wie verstelle ich denn nun die Blende?“:

Die meisten Kameras bieten ein Einstellrad auf der Rückseite des Gehäuses. Meistens in der Nähe deines Daumens.

beispiel für ein einstellrad an einer dslr-kamera
Bei vielen Kameras stellst du mit so einem Rad den Blendenwert ein.

Canon verbaut dieses Einstellrad nahe des Auslösers, oben auf dem Gehäuse.

Solltest du an deiner Kamera kein Bedienrad finden, wirf einen Blick in deine Bedienungsanleitung. Dort sollte im Inhaltsverzeichnis ein Eintrag zur Blendenpriorität (oder Modus A, Av) auftauchen. Hier wirst du fündig.

Wenn deine Kamera über kein Einstellrad verfügt oder du mit deinem Smartphone fotografierst, musst du dich durch die Menüs hangeln. Bei Smartphone-Apps findest du die Funktion häufig unter „Profi-Modus“ oder etwas in der Art.

Bei sehr einfachen Kameras hilft dir ebenfalls ein Blick in die Anleitung zur Kamera.

Hast du die Einstellmöglichkeiten gefunden, kannst du nun selbst eine Fotoserie mit einer Blendenreihe aufnehmen.

Hier mal ein Beispiel:

Der Blendenreihe folgend fotografierte ich das Spielzeugschiff mit den Blenden 2 | 2,8 | 4 | 5,6 | 8 | 11 | 16.

Wenn du dir die Bilder in der Galerieansicht nacheinander ansiehst, erkennst du, wie die Schärfentiefe Stück für Stück zunimmt. Beim ersten Bild beschänkt sich die Schärfe auf den Bug. Beim letzten Bild ist fast das gesamte Boot scharf.

Die Helligkeit der Bilder bleibt konstant. Die Kamera erfüllte ihre Aufgabe: Ich wählte die Blende und die Kamera passte die Belichtungszeit an. So unterscheiden sich die Bilder in der Schärfentiefe aber nicht in der Helligkeit.

Falls die Kamera mit der Belichtung daneben liegt…

Deine Kamera weiß nicht, welchen Bereich des Bildes du gern wie belichtet haben willst.

Mein Paradebeispiel: Ein schwarzer Hund bei Sonnenschein.

Sehr häufig belichtet die Kamera so, dass meine Ronja zu dunkel im Bild erscheint.

Das liegt einfach daran: Meine Kamera weiß nicht, dass Ronja das Hauptmotiv ist. Für die Technik ist da einfach nur eine dunkle Fläche.

Dieses Unwissen der Technik kann zu sehr dunklen oder viel zu hellen Bildern führen.

Aber es gibt Möglichkeiten in die Belichtungssteuerung einzugreifen. Das Zauberwort heißt:

„Belichtungskorrektur“.

markierter knopf auf einer kamera mit dem symbol der belichtungskorrektur

Das eingekreiste +/- -Symbol sollte auf jeder Kamera irgendwo auftauchen.

In Drittelblendenstufen gibst du damit deiner Kamera vor, wie sie belichten soll.

Ganz praktisch:

Du stellst Blende f/8 ein. Die Kamera errechnet 1/100 Sekunde als Belichtungszeit. Das ist dir aber zu dunkel. Du drückst auf die Taste mit dem +/- -Symbol und drehst am Einstellrad. Mit jedem Schritt teilst du der Kamera mit, dass du um eine Drittelblendenstufe überbelichten willst. Dann weiß die Kamera, dass sie die Belichtungszeit länger wählen muss.

Im Beispiel mit Blende f/8 und 1/100 Sekunde, drehst du drei Schritte weiter. Die Kamera verlängert die Belichtungszeit um das Doppelte, also auf 1/50 Sekunde.

In die andere Richtung funktioniert es genauso.

Wenn dir das Bild bei Blende f/8 und 1/100 Sekunde zu hell ist, kannst du mit diesem Knopf der Kamera mitteilen, dass sie kürzer belichten soll.

Methode 2: Der manuelle Modus

Die zweite Methode findest du im Modus „M“.

moduswählrad mit markiertem modus m für manuelle belichtungssteuerung

Im Modus M bedienst du die Kamera komplett manuell. Also sämtliche Parameter wollen von dir eingestellt werden. Entsprechend natürlich auch die Blende.

Hier unterscheiden sich die Hersteller allerdings massiv in der Bedienung.

Fuji verbaut an vielen Objektiven einen Blendenring am Objektiv. Die Blende wird dann darüber gesteuert.

Die höherpreisigen Kameras zum Beispiel von Canon und Nikon wiederum verfügen über zwei Einstellräder. Mit dem einen steuerst du die Blende, mit dem anderen die Belichtungszeit.

Zusammengefasst:

Um dich auf das Verständnis der Blende zu konzentrieren, nimm den Modus A (oder Av bei Canon und Pentax).

So sinkt die Chance, dass dich die vielen Einstellmöglichkeiten überfordern.

Und unterliege nicht dem verbreiteten Spruch: „Profis fotografieren im M-Modus.“

So habe ich angefangen. Und viel hätte nicht gefehlt und ich hätte dadurch das Hobby sehr schnell wieder aufgegeben. Die Fülle an Möglichkeiten, mir die Bilder zu versauen, überforderte mich. Mach‘ nicht den gleichen Fehler. 😉

Was ich dir zur Blende an Spiegelreflexkameras noch verschwiegen habe…

Bei modernen Kameras ist die Blende vollständig geöffnet. Bei Spiegelreflexkameras (DSLR) gibt es da aber eine Besonderheit.

Durch die Offenblende entsteht in Spiegelreflexkameras ein sehr helles Sucherbild.

Erst wenn du auf den Auslöser drückst, schließt sich die Blende auf den angegebenen Wert.

Neben dem Vorteil des hellen Sucherbildes, hat diese Methode aber auch einen Nachteil:

Der Sucher zeigt dir nicht, wie du deine Aufnahme belichtest.

Und du erkennst im Sucher auch nicht, wie groß der Bereich der Schärfentiefe ist.

Bei einigen höherpreisigen Modellen, gibt es dafür eine sogenannte Abblendtaste. Findest du meist rechts unten an der Verbindung zwischen Objektiv und Kamera (Bajonett).

Wenn du diese Taste drückst, schließt die Kamera die Blende. So kannst du die Blende im Objektiv von vorn sehen.

Du siehst im Sucher, wie weit sich die Schärfentiefe ausdehnt und siehst, wie viel Licht durch die geschlossene Blende in die Kamera gelangt.

So, nun haben wir aber wirklich genug über die Technik geplaudert. Jetzt gucken wir uns an, wie wir das geballte Technikwissen in der Praxis nutzen.

So setzt du dein Wissen über die Technik kreativ ein

Hey, hey, hey! Glückwunsch. Wenn du es bis hierhin geschafft hast, können wir uns nun endlich über die kreative Anwendung der Blende unterhalten. Denn ganz am Anfang verkündete ich dir ja vollmundig, dass du mit dem bewussten Einsatz der Blende einen riesigen Schritt vom Knipsen zum Fotografieren machst.

Das Spiel mit der Unschärfe – und wie du es in deinen Bildern nutzt

Mit deinem erworbenen Wissen zur Unschärfe verfügst du nun über ein sehr mächtiges Werkzeug.

Unsere Augen sind daran gewöhnt, scharfen Bildelementen mehr Aufmerksamkeit zu schenken als unscharfen.

Dies kannst du gezielt nutzen, um die Aufmerksamkeit der Zuschauenden bewusst auf dein Motiv zu lenken und alles Unwichtige und Ablenkende auszublenden.

Das ist zugleich eine der häufigsten Verwendungen der Unschärfe.

pils im moos vor verschwommenem waldhintergrund

Im Bild oben will ich die Aufmerksamkeit der Zuschauenden auf den Pilz legen. Da der Hintergrund unruhig ist, öffnete ich die Blende. Das sorgt dafür, dass der Hintergrund in Unschärfe versinkt.

Gleichzeitig reflektiert der Morgentau das Sonnenlicht. So entstehen die runden Lichtpunkte. Das wirkt beruhigend und harmonisch. Fast schon verträumt.

Es gibt aber noch andere Anwendungsbereiche. Im Bild des Pilzes taucht es schon auf:

Du kannst mit dem bewussten Einsatz der Unschärfe einen räumlichen Eindruck in deinem Bild erwecken.

Das ist schon so alltäglich, dass es uns gar nicht mehr auffällt.

Hältst du dir ein Objekt vor die Nase, verschwimmt unweigerlich der Hintergrund. Konzentrierst du dich auf den Hintergrund, verschwimmt das Objekt vor deiner Nase.

Funktioniert in der Fotografie genauso.

kleine steine am strand mit offener blende fotografiert und verschwommenem vorder- und hintergrund

Oben siehst du, was ich meine. Die vorderen Steine versinken in Unschärfe. Die Steine im Hintergrund auch. Dadurch wirkt das Bild sehr räumlich.

Oder du verzichtest komplett auf Unschärfe.

Das passiert häufig in der Landschaftsfotografie. Denn dort sollen die Bilder in der Regel die komplette Szenerie scharf zeigen. So wie im Bild unten.

stein im see vor zwei inseln zum sonnenuntergang mit geschlossener blende

Für das Bild verwendete ich mit f/13 eine geschlossene Blende.

Denn ich wollte das gesamte Motiv scharf haben. Also sowohl den Stein im Vordergrund, als auch die Inseln und den Himmel im Hintergrund.

Wenn wir uns über die Blende unterhalten, gehört auch das dazu:

Zu wissen, wo Unschärfe hinderlich ist.

Und mit deinem Wissen kennst du die Schritte, wie du auf Unschärfe verzichtest:

In dem du die Blende einfach schließt.

Die Unschärfe – abhängig von Abstand und Brennweite

Zwei wichtige Faktoren der Schärfentiefe habe ich dir bisher verschwiegen:

  1. Die Ausdehnung der Schärfe hängt von der Brennweite ab.
  2. Der Grad der Unschärfe steht in Verbindung mit dem Abstand zur Fokusebene

Bei Blende f/8 und 28 Millimeter Brennweite erhältst du eine größere Schärfentiefe als bei f/8 und 200 Millimetern Brennweite.

Entsprechend vorsichtig solltest du bei Portaits vorgehen. Nimmst du ein Gesicht bei einer großen Brennweite mit einer weit geöffneten Blende auf, reicht schon das Atmen und dir verrutscht die Schärfeebene.

Ebenfalls wichtig zu wissen:

Je weiter ein Objekt vom Hintergrund entfernt, desto unschärfer wird dieser im Bild dargestellt.

libelle an grashalm vor verschwommenem hintergrund

Die Kombination aus beidem siehst du im Libellenbild. Das in 10 Metern Entfernung allerhand Grümpel stand, erkennst du im Bild nicht. Denn das nahm ich bei 300 Millimetern Brennweite auf, bei einer Blende von f/5,6.

Nichts lenkt vom Hauptmotiv ab. Die Libelle als Motiv tritt klar hervor.

Diesen Effekt nutzen Portraitfotograf*innen besonders gern. Denn so blendest du einen unruhigen Hintergrund aus.

Da ich keine Fotos von Menschen mache, muss die Libelle als Beispiel herhalten.

Das Bokeh – die Diskussionen über weiche Verläufe von Schärfe zu Unschärfe

Der Begriff „Bokeh“ beschreibt die unscharfen Bereiche und deren Darstellung im Bild sowie den Übergang von Schärfe zu Unschärfe.

Es existieren unzählige Forenbeiträge und Diskussionen zu diesem Thema. Dabei hängt die Einschätzung eines ansprechenden Bokehs stark vom eigenen Empfinden ab.

Einen Grundkonsens gibt es trotz der vielen Diskussionen dennoch:

Ansprechend wirken kreisrunde Darstellungen von Lichtern.

Sicher kennst du Bilder von Lichterketten, die außerhalb der Schärfeebene liegen und als kleine, helle Kreise im Bild zu erkennen sind.

schraube in vereister umgebung mit sonnenlicht und runden lichtpunkten
Die Eiskristalle reflektieren das Sonnelicht und sorgen so für helle Punkte in der Unschärfe.

Das obige Bild nahm ich mit einem Tokina 90/2.5 auf. Das Bokeh dieses Objektiva erkennen nahezu alle Fotograf*innen als sehr wohlgefällig an. Vor allem ist es berühmt für die runden Lichtpunkte.

Und wo wir schon dabei sind:

Häufig weisen Festbrennweiten ein angenehmeres Bokeh auf als Zoom-Objektive.

Ebenfalls interessant: Mit Einführung der Digitaltechnik stieg die Nachfrage nach absoluter Schärfe.

Die Hersteller reagierten darauf und entwickelten Objektive, die sie auf maximale Bildschärfe trimmten.

Dies ging zu Lasten des Bokehs. So erfreuten und erfreuen sich alte Objektive einer wachsenden Beliebtheit. Die Entwicklung der spiegellosen Systemkameras (DSLM) sorgte für einen zusätzlichen Schub. Denn an Kameras dieser Bauart lassen sich nahezu alle Objektive adaptieren.

Doch zurück zum Thema.

rote weihnachtsbaumkugel am strand

Oben siehst du ein Beispiel für ein weniger gefälliges Bokeh. Trotz Blende f/2.8 wirken die Übergänge in der Unschärfe nicht fließend. Das Bild nahm ich mit einem Zoomobjektiv auf. Schon ein ordentlicher Unterschied zum Bild mit der Schraube auf Eis, oder?

Da das Bokeh auch von deinem Geschmack abhängt, probiere deine Objektive einfach aus.

Dadurch bekommst du nach und nach ein Gefühl dafür, welches sich für Bilder mit präsentem verschwommenen Vorder- oder Hintergrund eignen.

Lass‘ die Sonne als Stern erstrahlen

Neben der Unschärfe kannst du mit der Blende noch ein anderes optisches Phänomen in deinen Bildern nutzen:

Bei maximal geschlossener Blende und einer sehr hellen Lichtquelle im Bild, entsteht ein sogenannter Blendenstern.

Das sieht so aus:

sonne in sternform im wald

Je kleiner und punktueller die Lichtquelle, desto einfacher gelingen dir diese Sterne.

Am einfachsten funktioniert das mit (Ultra-)Weitwinkelobjektiven. Durch den extremen Bildwinkel erscheinen Objekte stark verkleinert. Das kannst du bei der Sonne sehr gut nutzen.

sonne als stern über gebirgslandschaft mit schnee und see durch geschlossene blende

Und auch wenn es einen Spruch zum Fotografieren in der Mittagssonne gibt: So ein Blendenstern kann auch bei fahlem Mittagslicht dein Bild aufwerten.

Ebenfalls reizvoll: Wenn der Stern über eine scharfe Kontrastkante hinaus scheint.

Das Phänomen funktioniert übrigens nicht nur mit der Sonne. Sondern mit jeder Lichtquelle.

Also auch mit Straßenlaternen, Lichterketten, Kerzen…

Probiere es aus.

Blende soweit wie möglich schließen, Kamera auf ein Stativ und los geht’s.

Du hast kein Stativ? Lies meinen Beitrag „Das Stativ – ein verkanntes Hilfsmittel„. Und dann solltest du dir unbedingt eins zulegen. 🙂

Kleiner Nachtrag: Wie alle Elemente nutzt sich der Blendenstern bei zu häufiger Anwendung ab. Setze ihn also dann ein, wenn er das Bild aufwertet. So wie oben im Gebirgsbild. Ohne Stern wäre der Himmel ziemlich langweilig.

Offene Blende, wenn es dunkel wird

Wie du weißt, steuerst du mit der Blende neben der Schärfentiefe auch die Belichtung deines Bildes.

Je weiter die Blende offen steht, desto mehr Licht gelangt auf den Sensor. Deshalb taucht häufig im Netz der Begriff der „lichtstarken“ Objektive auf.

Das meint Objektive, die über eine sehr große Anfangsblende verfügen. Zum Beispiel Fujis 16/1.4, Canons 85/1.2 oder Nikons 55/1.2.

Wegen der aufwendigen Konstruktion kosten diese Linsen… und zwar ordentlich.

Ihr Anwendungsgebiet ist dafür aber sehr weit.

Mit dem angesprochenen Fuji 16/1.4 lässt es sich besonders im Dunkeln gut fotografieren.

In der Astrofotografie braucht es eine Kamera die in einer bestimmten Zeit sehr viel Licht einfangen kann. Andernfalls verschwimmen die Sterne wegen der Erddrehung zu Strichen.

Da kommen solche großblendigen Objektive wie gerufen.

milchstrasse über seebrücke am ostseestrand mit hoher lichtempfindlichkeit iso

Um ein ausreichend belichtetes Foto zu erstellen, nahm ich das Bild mit einer Blende von f/1,4 auf. Die Lichtempfindlichkeit des Sensor betrug 12.800. Nur so kam ich auf eine Belichtungszeit von 20 Sekunden. Länger belichten geht nicht, da sonst die Sterne zu Strichen werden.

Aber auch in anderen Bereichen kann dir das Wissen helfen.

Beispielsweise bei Veranstaltungen in dunklen Räumen.

Oder beim Sport.

Oder generell wenn du schnelle Bewegungen aufnehmen willst:

hund bounty hüpft über einen baumstamm im wald mit einem futterbeutel im maul

Fotos im Wald von einem rennenden Hund sind ein praktisches Beispiel. Hier schließe ich die Blende nur so weit, dass die Schärfentiefe für den Kopf ausreicht.

Die Belichtungszeit darf nicht unter 1/800 Sekunde liegen, so der Hund in der Bewegung eingefroren sein soll. Den Rest musst du dann mit der Lichtempfindlichkeit ausgleichen. Womit wir dann wieder beim Belichtungsdreieck wären.

Wie du die Vignettierung für deine Bilder nutzt und was das mit der Blende zu tun hat

Hinter dem Begriff „Vignettierung“ verbirgt sich der Lichtabfall an den Rändern.

Auf eine Form der Vignettierung nimmst du mit der Blende Einfluss.

Hier mal ein Beispiel. Und ja, ich habe es bewusst sehr stark übertrieben:

verlassene fabrikhalle ohne vignette
verlassene fabrikhalle mit vignette

Streng genommen gibt es drei verschiedene Arten von Vignettierung:

  1. Die künstliche.
  2. Die natürliche.
  3. Die Pixel-bezogene.

Die künstliche Vignettierung entsteht durch die Bauart der Objektive. Manchmal aber auch ganz platt durch eine falsch angesetzte Streulichtblende oder die Verwendung von Filtern.

Die anderen beiden Arten lassen sich von Fotografierenden nicht beeinflussen. Darauf können wir lediglich in der Nachbearbeitung Einfluss nehmen.

Die künstliche Vignettierung

Dieser kommt folgendermaßen zustande:

Bei einer sehr großen Blendenöffnung treten Lichtstrahlen sehr dicht am Gehäuse des Objektivs in die Kamera ein.

Der Tubus schattet die Lichtstrahlen ab und sorgt damit für den Helligkeitsabfall an den Bildrändern.

Dem wirkst du am einfachsten durch Abblenden entgegen.

Die verkleinerte Blendenöffnung blockiert die abgeschatteten Lichtstrahlen, so dass diese gar nicht erst auf den Sensor treffen.

So paradox es klingt: Eine kleinere Blendenöffnung sorgt damit für weniger Lichtabfall an den Rändern deines Bildes.

Die anderen beiden Arten der Vignettierung erwähne ich im Folgenden hier nur zum Zwecke der Vollständigkeit.

Die natürliche Vignettierung

Die natürliche Vignette beruht auf optischen Gesetzen. Falls du es genau wissen willst: Der natürliche Randlichtabfall ergibt sich aus dem Bildwinkel, ich nenne ihn α. Diesen Winkel α halbieren wir und setzen den Kosinus-Wert in die 4. Potenz.

Ein Beispiel:

Ich nutze gern ein 16mm Objektiv an meiner Fuji mit APS-C-Sensor. Aus Brennweite und Sensorgröße ergibt sich ein Bildwinkel α von 82,4°. Diesen halbieren wir: 41,2°.

Der Kosinus aus 41,2° beträgt ~ 0,75.

Und davon die 4. Potenz: ~ 0,32.

Tada! Wir haben die Stärke des natürlichen Randlichtabfalls ermittelt.

Praktikabel? Eher weniger.

Wichtig zu wissen? Ja. Denn diese natürliche Vignettierung tritt immer auf. Je größer der Bildwinkel (je kleiner die Brennweite), desto stärker.

Die Pixel-bezogene Vignettierung

Die Pixel-bezogene Vignettierung bezieht sich allein auf Digitalkameras.

Die Pixel der Bildsensoren stehen alle im gleichen Winkel zur Frontlinse, nämlich 90°.

Das Licht trifft aber in unterschiedlichen Winkeln auf den Bildsensor.

Dadurch erhalten die Pixel am Rand des Sensors weniger Licht, als die Pixel in der Bildmitte.

Auch das kann für einen Lichtabfall an den Rändern sorgen.

Auch diesen Lichtabfall kannst du nur in der digitalen Bildbearbeitung ausgleichen.

Denn am Winkel des Lichts und der Pixel zur Frontlinse veränderst du im besten Falle nichts. 🙂

Nutze den Randlichtabfall

Ja, auch dieses optische Phänomen kannst du kreativ in deinen Bildern einsetzen.

Durch die abgedunkelten Ränder treten störende Inhalte in den Hintergrund.

Die Vignette steuert den Fokus auf die zentral angeordneten Bildinhalte.

herde moschusochsen in der wildnis
herde moschusochsen mit vignette

Siehst du den Unterschied in den beiden Bildern oben?

Die Unschärfe im Vordergrund signalisiert die Beobachtungsposition.

Die Vignettierung unterstreicht hierzu einerseits das Beobachten. Andererseits rückt sie das zentrale Element, die Moschusochsen, sehr klar in den Fokus.

Vielleicht etwas überinterpretiert: Das zweite Bild wirkt wie ein Blick durch ein Fernrohr.

Für die Transparenz: Die Vignette im Bild oben entstand nicht durch das Objektiv. Ich fügte sie nachträglich hinzu. Mit einem einfachen, mittigen Farbverlauf in Gimp.

Nutze die Vignettierung, gern auch nachträglich in der Bearbeitung, und lenke die Blicke auf dein Hauptelement im Bild.

Oder verwende die Vignette, um deinem Bild etwas Geheimnisvolles mitzugeben.

Falls du keine Vignette in deinem Bild haben willst

Besonders bei Landschaftsbildern will ich die Vignette allerdings nicht in meinen Bildern haben.

Dazu nehme ich meine Bilder grundsätzlich im RAW-Format auf, was die Bearbeitung enorm erleichtert. Mehr zum Thema RAW-Format findest du in meinem Artikel: „RAW oder JPEG? Glaubensfrage in der Fotografie?„.

Alle gängigen RAW-Konverter verfügen über Funktionen, mit denen du gezielt die Bildecken sanft aufhellen kannst.

Bei RAW-Therapee sieht das so aus:

Vignette bearbeiten in raw therapee

Das funktioniert mit dieser Bearbeitung auch umgekehrt, wenn du die Vignettierung im Bild verstärken willst.

Falls du noch mehr über Bildbearbeitung in RAW-Therapee wissen möchtest: „Bildbearbeitung in RAW-Therapee – in 10 Minuten bessere Bilder„.

Nach der ganzen Theorie und den vielen Beispielbildern, bist du jetzt an der Reihe!

Jede Theorie, die keine Praxis hat, macht niemand auf die Dauer satt

Damit dein neues Wissen nicht bloß graue Theorie bleibt, kommen wir nun zur praktischen Umsetzung.

Aufgabe 1: Erstelle eine Blendenreihe

Für die erste Aufgabe suchst du dir einen beliebigen Gegenstand:

  • dein Lieblingsbuch
  • ein Kuscheltier
  • eine Blume
  • ein Lego-Spielzeugschiff

Dann stellst du deine Kamera auf ein Stativ (oder eine andere feste Unterlage).

Du wählst mit dem Moduswählrad das „A“ (oder „Av“ bei Canon und Pentax) aus.

Jetzt stellst du die kleinste mögliche Blendenzahl ein und machst das erste Bild.

Du drehst eine Stufe weiter und machst das nächste Bild.

Das wiederholst du, bis du die höchste Blendenzahl erreicht hast.

Und zum Schluss siehst du dir die Bilder am Rechner an. Achte besonders auf die zunehmende Schärfentiefe.

Aufgabe 2: Hebe ein Motiv durch den Einsatz der Unschärfe hervor

Sieh dich nach einem weiteren Motiv um.

Um es zu vereinfachen, wenn du spontan keine Idee hast:

Nimm den Gegenstand, der links am Rand deines Schreibtisches steht.

Schnall‘ deine Kamera wieder auf das Stativ. Lege den Gegenstand so auf einen Tisch, dass er recht dicht am Hintergrund liegt.

Stelle wieder den Modus A oder Av ein, wähle die kleinste Blendenzahl und nimm das erste Bild auf.

Jetzt überprüfe dein Ergebnis.

Ist der Hintergrund noch zu gut zu erkennen, so dass er ablenkt?

  • Ja: Rücke deinen Gegenstand weiter weg vom Hintergrund.
  • Nein: Super. 🙂

Reicht die Schärfentiefe für deinen Gegenstand, also das Motiv, aus?

  • Ja: Super.
  • Nein: Schließe die Blende etwas weiter (erhöhe die Blendenzahl).

Möglicherweise musst du beide Fragen ein paar Mal durchlaufen, bis dir das Ergebnis passt. Dafür sammelst du direkt Erfahrung im Umgang mit der Blende.

Aufgabe 3: Wandle Licht in Sterne um

Diese Aufgabe stellt dich vor eine größere Hürde.

Versuche in einem Bild einen Blendenstern abzubilden.

Dafür brauchst du eine möglichst kleine aber starke Lichtquelle.

Am einfachsten geht das mit der Sonne.

Schnall‘ deine Kamera wieder auf das Stativ.

Such‘ dir das Objektiv mit der kleinsten Brennweite. Falls du ein Zoom-Objektiv verwendest: Drehe die Brennweite auf den kleinsten Wert.

Wähle den Modus „A“ oder „Av“ und stelle die größte Blendenzahl ein und nimm ein Bild auf.

Dein Bild sollte nun einen Stern beinhalten.

Sollte es nicht geklappt haben:

  • Hast du die größte Blendenzahl verwendet?
  • Ist die Lichtquelle wirklich nur punktuell?
  • Ist das Bild zu dunkel, so dass die Strahlen gar nicht oder nur kaum zu erkennen sind? Dann steuere hier mit der Belichtungskorrektur nach.
  • Möglicherweise liegt es am Objektiv. Nicht alle Linsen schaffen so eine strahlende Darstellung, wie in meinen Beispielbildern.

Abschluss

Fertig!

Ich gratuliere!

Jetzt liegt’s an dir: Schraub‘ die Stützräder ab und fahr los.

Nutze und beherrsche die Blende; mach‘ Fotos, die andere aus den Latschen hauen.

Allzeit „Gut Licht“.

P.S.: Hängst du irgendwo fest, schreib‘ mir eine Mail. Ich helfe dir bei der Lösung des Problems.

P.P.S.: Die Blende ist zentral für deine Fotografie. Was es daneben noch gibt, erfährst du über meinen Newsletter: Und ich schenke dir mein E-Book: „Nie wieder langweilige Fotos – mit diesen 6 Tricks„.

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Die Blende in der Fotografie – Verstehen, Beherrschen, Nutzen

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