3 Gründe, warum ich aufgehört habe, mich mit der neuesten Fototechnik zu beschäftigen – und warum du es mir gleich tun solltest

Fotografie ist großartig!

In ihr vereinen sich zwei faszinierende Aspekte:

  1. hochwertige Technik
  2. künstlerisch-kreative Möglichkeiten

Die Kunst profitiert von hochwertiger Technik. Und andersherum fordert hochwertige Technik die Kreativität heraus oder ermöglicht diese überhaupt.

Die Technik lässt sich einfach beschreiben und vergleichen. So ein bisschen wie früher beim Autoquartett: Die höchste PS-Zahl gewinnt.

Menschen stecken sehr viel Zeit in technische Diskussionen und lernen, gefühlt, sämtliche Handbücher auswendig. Das ist ein netter Zeitvertreib, hilft beim Verbessern der eigenen Fotos allerdings nur am Rande.

Für die Entwicklung deines fotografischen Könnens ist die benutzte Technik weniger entscheidend, als dein Wille zum Ausprobieren, Umsetzen und Erfahrungen sammeln.

angler in der ostsee am strand bei sonnenuntergang mit pastellfarben
Schätz‘ doch mal, wann wurde die Kamera hergestellt, mit der ich dieses Foto aufnahm?

Ich hab‘ ein paar Jahre gebraucht, um das zu verstehen.

Diese Jahre kannst du dir sparen. Ich zeige dir im Artikel die drei großen Fallstricke, wie du sie umgehst und dich aus ihnen befreist.

Kurz noch am Rande: Willst du direkt 6 einfache Tricks, wie du spannende Fotos aufnimmst? Dann melde dich zu meinem Newsletter an und du erhältst mein E-Book 6 einfache Rezepte für herausragende Fotos geschenkt:

Wir starten mit einer grundlegenden Feststellung:

Zwei Pole der Fotografie – Technikorientiert vs. Wirkungsorientiert

Einige Menschen fotografieren sehr technikorientiert. Für sie gilt technische Perfektion als höchstes Gut der Fotografie.

Andere Menschen fotografieren stark wirkungsorientiert. Ihr höchstes Ideal ist ein emotional ansprechendes Bild. Die Technik ist für sie nur Mittel zum Zweck.

Und dann gibt es uns. Hobby-Fotograf*innen, die irgendwo dazwischen stehen.

Seit 2007 beobachte ich Folgendes:

Die angeregtesten Diskussionen entfachen technische Themen.

Ob Linien pro Quadratmillimeter, Rauschverhalten bei ISO 102.400 oder Treffsicherheit des KI-gestützten Augenerkennungs-Autofokus.

Diskussionen über Bildaufbau, Gestaltung und Farbgebung geraten selten ähnlich ausufernd.

Wenn du dich in der Fotografie verbessern willst, liegt hier aber das weitaus größere Potential.

Und günstiger ist es auch noch… 😉

Oder um einen Großmeister der Fotografie zu Wort kommen zu lassen:

„Die Tatsache, dass eine technisch fehlerhafte Fotografie gefühlsmäßig wirksamer sein kann als ein technisch fehlerloses Bild, wird auf jene schockierend wirken, die naiv genug sind, zu glauben, dass technische Perfektion den wahren Wert eines Fotos ausmacht.“ Andreas Feininger

stiefel, rucksack, tasse, rentiergeweih und plüschkänguru an seeufer in grönland
Technisch ließe sich am Bild einiges kritisieren. Ist mir aber egal. Denn das Bild erzählt eine Geschichte. 🙂

Noch zwei Sätze: Ich be- oder verurteile niemanden für seine*ihre Einstellung zur Fotografie. Ich gönne jeder Person von Herzen, sich an technisch perfekten Bildern zu erfreuen. Ich lege den Fokus darauf, wie du am einfachsten und schnellsten deine Fotografie verbesserst. Und das gelingt über Austausch und Diskussionen zu Bildaufbau und -wirkung.

Habe ich dich vielleicht jetzt schon überzeugt? Dann lies gern im Artikel: Einfach fotografieren lernen – Tipps für einfach bessere Bilder

Nun aber zu den Gründen, weshalb du dich weniger mit der neuesten Fototechnik beschäftigen solltest:

Grund 1 Aggressives Marketing verspricht dir bessere Fotos mit der neuesten Kamera

Die Kamera-Hersteller stehen unter Zugzwang.

Die Verbreitung der Smartphonekameras sorgt für sinkende Umsätze.

siedlung grönland mit dem handy aufgenommen
Das Foto nahm ich 2016 mit meinem Handy auf. Bei ausreichend Licht konnte ich schon seinerzeit kaum Unterschiede zwischen Kamera und Handy feststellen.

„Die beste Kamera aller Zeiten!“ – jedes Jahr aufs Neue…

In der Folge fliegen Kameras auf den Markt, die oftmals nur in Details verbessert wurden.

Gleichzeitig preisen die Hersteller jede neu erscheinende Kamera als „die beste Kamera aller Zeiten“ an.

Unter diesem Superlativ geht es nicht mehr.

Sind die Werbetexter*innen ihr Geld wert, verfängt das Marketing.

Und du wirst von den Superlativen erschlagen und/oder gelähmt.

Und es ist ja auch frustrierend, wenn du dir eine Kamera kaufst und nach einem halben Jahr das Nachfolgemodell erscheint, dass „in ALLEN Bereichen DEUTLICH verbessert wurde.“

Aber ist das wirklich so? Lass uns mal ein wenig hinter die Kulissen schauen, mit einem kleinen Beispiel:

Exkurs, so funktioniert die Marketing-Maschinerie: Mega! -Pixel bis zum Erbrechen, aber wofür eigentlich?

Seit dem Digitalkameras bezahlbar sind, überbieten sich die Hersteller in einer Kategorie gegenseitig: Die Anzahl der Megapixel. Je mehr desto besser.

Und wo vor einigen Jahren noch 12 Megapixel der Stand der Dinge waren, sind es mittlerweile 24-30.

Aber warum?

Megapixel umgibt eine Aura, wie die PS-Zahl eines Autos: Je größer die Zahl, desto krasser das Gerät.

Lass uns die Perspektive wechseln: Was machst du mit deinen Fotos?

  • Druckst du sie aus?
  • veröffentlichst du sie in den (a-)sozialen Netzen?
  • Hältst du Vorträge mit Präsentation?
  • Verkaufst du deine Fotos an Agenturen, die danach Häuserwände bekleben, Hochglanzkataloge erstellen oder riesige Plakatkampagnen starten?

6-12 Megapixel reichen so gut wie immer

In den ersten drei der vier genannten Fälle reicht eine Auflösung von 6-12 Megapixeln aus. Falls du dich fragst warum:

Großformatige Drucke erfordern eine hohe Auflösung.

Was viele dabei vergessen: Je größer ein Wandfoto, desto größeren Abstand hältst du ein, wenn du es ansiehst.

Bei Zeitungen gilt 300 „dots per inch“ (dpi) als Standardwert. Bei Postern reichen 100 dpi, wegen des Abstandes, wenn du das Foto ansiehst.

Rein rechnerisch kommst du dabei mit einem Bild in der Auflösung 3000 x 2000 Pixel auf eine Größe von 76,2 x 50,8 Zentimeter.

Und wenn du dann auf Leinwand drucken lässt, sind auch 90x 60 Zentimeter mit 6 Megapixeln möglich (Leinwand ist viel gnädiger durch die Struktur des Materials, als ein Posterdruck).

finnwalrücken vor eisberg
Das Bild hat im Original eine Auflösung von 3,7 Megapixel. Ich habe es auf Leinwand gezogen, 50 x 75, kein Problem.

Falls du mit den Auflösungen und Druckqualitäten spielen willst: Pixelrechner von Blitzrechner.de.

Noch deutlicher wird der Unsinn des Megapixel-Wahns bei Veröffentlichungen im Netz:

  1. Über die Hälfte aller Websites werden mobil angesurft (niedrige Auflösung der Handy-Displays, instabile Datenverbindungen)
  2. Monitore können nur eine begrenzte Auflösung darstellen
  3. Je größer das Foto, desto länger die Ladezeit… niemand will lange warten
  4. (A-)soziale Medien begrenzen die Auflösung der hochgeladenen Bilder

Vier Argumente, weshalb du aus dem Megapixel-Rennen aussteigen kannst.

Bei Präsentationen verhält es sich wie bei großformatigen Drucken: Der Abstand zwischen Mensch und Leinwand ist groß. So brauchst du in den seltensten Fällen für einen Diavortrag mehr als 12 Megapixel. Zumal Präsentationsprogramme wie PowerPoint oder LibreOffice Impress die Fotos automatisch verkleinern.

Bleibt der letzte Punkt in der Auflistung: Agenturen, Verlage, Zeitungen.

Je nach Medium gibt es Mindestanforderungen. Und diese steigen. Dazu kommt, dass Zeitungsfotos mit 300 dpi gedruckt werden. Und besonders Titelfotos können da schon schnell eine hohe Anforderung an die Auflösung stellen.

Inwiefern diese Anforderungen für dich relevant sind, lasse ich mal dahin gestellt. 🙂

Es gibt auch Argumente FÜR mehr Megapixel…

Argumente FÜR das Megapixel-Rennen:

  1. Du kannst bei vollen Details sehr weit in Fotos reinzoomen
  2. Durch eine sehr hohe Auflösung kannst du Ausschnitte aus deinen Bildern als eigenständige Fotos verwenden
  3. Falls du doch mal eine Hauswand mit einem deiner Fotos bekleben willst, geht das sehr viel problemloser mit 64 Megapixeln, als mit 16.
blick von einer anhöhe über wälder einen fluss und weitere berge im hintergrund
Die vielen Strukturen der Bäume und Blätter profitieren von einer hohen Auflösung

Bilder mit sehr hoher Auflösung bestechen durch ihre detailreiche Wiedergabe. Besonders in der Landschaftsfotografie lässt sich dieses Argument nicht von der Hand weisen.

Aber auch hier stellt sich wieder die Frage: In welcher Auflösung veröffentlichst du deine Fotos?

Auf einem herkömmlichen Ausdruck 10 x 15 wirst du auch mit einer Lupe keine großartigen Unterschiede erkennen.

Der zweite Punkt ist vielleicht der wichtigste: Eine hohe Auflösung ermöglicht dir, Ausschnitte aus deinen Bildern herauszulösen, ohne das die Qualität sichtbar leidet. Besonders im Bereich der Wildtierfotografie ein, wenn nicht gar das einzige, Argument für viele Megapixel. Bekannte stellen gern dem Eisvogel nach. Trotz getarntem Ansitz und eingerichteter Futterstelle reichen manchmal selbst 500 oder 600 Millimeter Brennweite nicht aus, das Tier formatfüllend abzulichten. Ein großzügiger Ausschnitt kann in diesem Falle Wunder wirken. Ohne, dass du Qualitätsverluste hinnehmen müsstest.

Den dritten Punkt meiner Aufzählung lasse ich einfach mal so stehen. Und hoffe, die Ironie ist auch durch das geschriebene Wort erkennbar. 😉

Lass uns einen Blick darauf werfen, was neben den Werbeversprechen mindestens genauso stark verführt:

Die Macht des Marketing: Ein Fallbeispiel

Früher oder später gehen wir den Marketing-Strategien auf den Leim. Zumindest, wenn die Agenturen der Hersteller etwas taugen.

Die Werbung fixt an. Den Rest geben dir die Menschen auf den Austauschplattformen.

Die (a-)sozialen Medien befeuern den Drang nach Aufmerksamkeit. Und die bekommt nur, wer drastische Äußerungen trifft.

Aus einer kleinen Verbesserung werden bahnbrechende Neuerungen, die älteres Gerät unbrauchbar werden lässt.

Beispiel: Fuji brachte mit der X-H1 einen integrierten Bildstabilisator in der Kamera auf den Markt. Ab diesem Moment wurden Bilder mit unstabilisierten Kameras unmöglich.

Zumindest laut Facebook und Fotoforen.

Und Fuji legte nach. Mit der X-T4. Auch sie verfügte über das Wundermittel Bildstabilisator.

Super. 1/5 Sekunde aus der Hand fotografieren. Nie wieder ein Stativ schleppen.

Ich tappte nicht in die Marketing-Falle.

Ich sprang mit Anlauf rein.

Zwar hatte ich gerade ein halbes Jahr vorher die X-T3 gekauft, aber wegen des Stabilisators wollte ich den Nachfolger.

Dann sah ich, was Fuji an der X-T4 alles verbesserte.

Das Display und einen Schalter zum Wechsel von Foto- zu Videoaufnahmen.

Das war’s.

Ich rechnete: X-T3 verkaufen = 800 – 900 Euro = Wertverlust 200-300 Euro; X-T4 kaufen = 1600 Euro = Ich verbrenne mindestens 700 Euro.

Für einen Bildstabilisator.

Und ansonsten eine technisch gleiche Kamera.

Kommt dir unsinnig vor?

Mir dann auch.

Was mir auch auffiel: Ich fotografiere in Bereichen, in denen ein Bildstabilisator nicht hilft.

Bei Landschaften hilft ein Stabilisator nur in Ausnahmen. Denn 30 Sekunden schafft der auch nicht aus der Hand.

Neben Landschaften knipse ich hin und wieder Hunde. In Bewegung.

ronja schwarz-weißer hund im wald beim apportieren

Da bringt ein Stabilisator ebenfalls nichts: Bei Belichtungszeiten von 1/800 Sekunde und schneller, wirst du nur selten ein Bild verwackeln. 😉

Ich traf die logischste aller Entscheidungen: Ich ignorierte Facebook und Fotoforen.

Wenn du diesen Artikel zu spät liest, verrate ich dir ein paar Tipps, wie du dich aus der Marketingschlinge herauswindest.

Wenn du in die Marketing-Falle getappt bist

Bist, du so wie ich, in der Falle gelandet, gibt es ein paar Fragen, die dich aus dem Sumpf herausziehen können:

  • Rechne dir nüchtern den finanziellen Verlust vor. Ist dir das verbrannte Geld den Neukauf wert?
  • Sind die Verbesserungen für dich relevant?
  • Welchen Vorteil bringt dir ein Wechsel auf ein anderes/neues Kameramodell im Vergleich zu DEINER bisherigen Kamera?
  • Beschäftige dich mit der aktuellen Technik, wenn dir konkret etwas an deiner Ausrüstung nicht gefällt oder dich einschränkt; und du dich selbst als Fehlerquelle ausschließen kannst ;).

Klingt banal?

Ja, ist es auch.

Zumindest auf den ersten Blick. Beantworte dir die Fragen möglichst objektiv. Und du wirst sehen, du entwickelst ganz schnell eine Resistenz gegen das Marketing-Geschaller.

Eng mit dem Marketing verknüpft: Die Überbewertung der Fototechnik. Sie sorgt dafür, dass viele Menschen sich sehr viel mehr um minimale Vorteile durch ein neues Kameragehäuse oder ein anderes Objektiv kümmern, als um Bildgestaltung, Lichtsetzung oder Perspektiven (wenn du auf der Suche nach Tipps zur Bildgestaltung bist: Sieh in der Kategorie Bildgestaltung nach).

Grund 2 Die Fototechnik wird stark überbewertet und verstellt den Blick

Hier ist aber Vorsicht geboten. Die Wahrheit ist weder schwarz noch weiß.

Es gibt Bereiche in der Fotografie, in denen du von der Technik abhängig bist.

Moderne Technik KANN Fotos ermöglichen

2016. Irgendwo an der Ostküste Grönlands im September.

Die Rembrandt van Rijn stampft und rollt durch die Wellen.

Am Himmel tanzt Lady Aurora und taucht Schiff und Szenerie in ein sanftes grünes Licht.

Ich versuche diese Momente auf ein Foto zu bannen. Die ISO ist mit 3.200 am Anschlag. Mehr gibt die Fuji S5 nicht her.

Die Blende des Objektivs ist ebenfalls gänzlich geöffnet.

Die Belichtungszeit mit 1/20 Sekunde aber immer noch zu lang.

Längere Zeiten kann ich aus der Hand auf dem schwankenden Schiff nicht halten.

schlecht zu erkennendes polarlicht
Nur ein Beweisfoto, mehr nicht. Die Fuji S5 war bereits am Anschlag.

Von mir gibt es von diesem phantastischen Erlebnis keine Fotos. Ich genieße still vor mich hin und wundere mich über meine blau angelaufenen Finger. Bis ich merke: Ich trage keine Jacke. Auf einem fahrenden Schiff. Bei 2°C Außentemperatur…

Aktuelle Technik und es klappt

Ein gutes Jahr später sitze ich nach meiner ersten Wandertour mit Zelt und Rucksack auf Island in Reykjavik an der Hostel Bar.

Die Polarlicht-App meines Telefons bittet um Aufmerksamkeit. Kurz entschlossen stürzen wir unser Bier hinunter und rennen mit unseren Kameras an den Hafen.

Über uns bittet Lady Aurora erneut zum Tanz. Die Bedingungen sind alles andere als glücklich, aber es reicht zumindest für ein paar Aufnahmen.

Polarlicht über reykjavik
Der Unterschied ist deutlich sichtbar…

Und selbst hier stößt meine neue Kamera an ihre Grenzen. Aber immerhin, im Vergleich zum Vorjahr steigerte ich meine Polarlichtfotoausbeute um gnadenlose 300%.

Ja, aktuelle Fototechnik kann dir Bilder ermöglichen. Diese Fälle sind aber sehr, sehr selten.

Irrglaube: Bessere Technik, bessere Fotos

Jede*r kennt wahrscheinlich folgenden Fotografie-Witz: „Ansel Adams im Restaurant. Koch kommt längs: „Sie machen tolle Fotos. Sie haben bestimmt eine gute Kamera!“ Ansel Adams blickt auf: „Das Essen war vorzüglich. Sie haben gewiss gute Töpfe!“.

Ja, kein Brüller, ich weiß. Es steckt aber eine wichtige Information drin: Für tolle Fotos brauchst du keine teure oder herausragende Kamera.

Vielmehr lauert hier eine weitere Frustrationsfalle: Nur weil du eine Kamera im Wert eines Kleinwagens anschaffst, werden dir nicht automatisch bessere Fotos gelingen.

Eine teure Kamera ist nicht deshalb teuer, weil sie automatisch tolle Fotos macht. Eine teure Kamera ist deshalb teuer, weil sie dir unzählige Möglichkeiten und Freiheiten gibt, auf dein Bild Einfluss zu nehmen.

Besonders am Anfang deiner Fotokarriere bedeutet das eher: Sehr viele Möglichkeiten, mit denen du dir das Ergebnis vermasselst.

Neben Frustration steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass du unnötig Geld verbrennst. Denn du wärst nicht der erste Mensch, der aus Unzufriedenheit eine andere Kamera kauft oder gar gleich komplett den Hersteller wechselt.

Was für Kameras gilt, gilt übrigens auch für Objektive

Bisher schrieb ich nahezu ausschließlich von Kameras. Meine Worte gelten aber auch für Objektive.

Ein neues, und in den meisten Fällen teures, Objektiv, führt nicht automatisch zu besseren Fotos.

Objektive werden seit nahezu 200 Jahren berechnet und produziert.

Erwarte von einer Neuauflage also keine Wunder. Die Grenzen der Physik lassen sich nicht austricksen. Lediglich verschieben.

Was Hersteller mittlerweile sehr häufig tun: Sie packen auch die Objektive mit zusätzlicher Technik voll.

Erkennst du übrigens auch gut an den ausschweifenden Bezeichnungen: 105 VR DG OS HSM DI ED… oder so ähnlich. 😉

Inwiefern die ausufernde Technik zu Lasten der Haltbarkeit geht, lasse ich mal offen.

Ein kleines Beispiel: Mein Tokina 28-70/2.8 starb nach knapp 20 Jahren an einem gebrochenen Flachbandkabel. Der Austausch des Kabels überstieg den Gebrauchtpreis deutlich.

segelschiff rembrandt van rijn im eis ostgrönlands
Das Zeiss funktioniert auch bei harschen Bedingungen, da keine Elektronik verbaut ist.

Mein Zeiss 28/2.8 aus den 70ern hingegen arbeitet auch heute noch tadellos. Allerdings läuft es rein mechanisch. Also keine Belichtungsmessung, kein Autofokus und nur Arbeitsblende. Die geringe Anfälligkeit erkaufe ich mir durch sehr wenig Komfort. Klappt bei Landschaftsfotos sehr gut. Bei schnellen Bewegungen wird es dann allerdings schwierig.

Mit anderen Worten: Erwarte nicht, dass ein Hersteller bei einem neuen Objektiv das Rad neu erfindet.

Bei Objektiven gillt aber noch mehr als bei Kameras: Sie ermöglichen dir erst einige Fotos und können deine Kreativität anregen.

Technik vereinfacht Fotos, garantiert aber keine besseren Ergebnisse

Lass mich zusammenfassen: Ja, gute Technik ermöglicht und vereinfacht dir das Fotografieren.

Möglichst teure und aktuelle Technik garantiert dir aber keine besseren Ergebnisse.

Auch wenn ich es hasse, ein Autovergleich:

Ein Golf I aus den 70ern bringt dich auch heute noch von A nach B. Ein Golf VIII auch. Allerdings deutlich komfortabler. Aber das Automodell sagt nichts über deine Fahrkünste aus.

Es ist ein schmaler Grat zwischen „Haben-Wollen“ und „Brauchen“.

Überzogene Erwartungen an die Technik sorgt für Blockaden. Blockaden in der Kreativität. Und kann zugleich für ausgewachsene Frustmomente sorgen.

Kurze Erklärung zu den beiden Punkten:

Ganz am Anfang meiner Laufbahn unterlag ich dem Irrtum, JEDE Brennweite abdecken zu müssen. Ergänzend dazu Spezialobjektive wie ein Macro und eine Portraitllinse. Aus Geldmangel wich ich auf gebrauchte und fast schon antike Objektive aus. Der Rucksack wurde schwerer, meine Bilder nicht besser.

Wo war der Haken?

Ich schleppte zu Fotoausflügen sechs bis acht unterschiedliche Objektive mit. Und hatte den Anspruch mit allen zu knipsen. Nur wusste ich nicht, womit ich anfangen soll. Während andere lustig vor sich hin fotografierten, wühlte ich noch in der Tasche oder wechselte mal wieder das Objektiv. Ein netter Mensch gab mir mal den Hinweis, ob ich nicht lieber Fotografieren als Objektive Gassi führen wolle… .

Meine miesen Ergebnisse ergänzten dann noch die Frustration, da ja andere mit den gleichen Objektiven (und aktuelleren Kameras) deutlich bessere Fotos präsentierten. Bis ich mich durchrang, einen Morgen im März viel zu früh aufzustehen und einen ersten richtigen Fotoausflug zu unternehmen. So richtig vorbereitet und so… .

sonnenaufgang am see mit drei buhnen im vordergrund

Und tada! Beschränkt auf zwei Objektive und mit bezauberndem Licht bestaunte ich meine Fotos. Ging also auch mit meinem Krempel… wenn sich der Typ hinter der Kamera mit der Essenz der Fotografie beschäftigt: dem Licht!

Beschäftige dich mit Fotos und stelle Fragen

Zur Wahrheit gehört aber auch: Ohne ein Ultraweitwinkel-Objektiv wären diese Bilder so nicht möglich gewesen. Also ein Zusammenspiel zwischen Technik und Kreativität.

Wie ich drauf kam, dass ich ein Ultraweitwinkel brauche?

Klingt banal: Ich sah beeindruckende Landschaftsbilder und las vor allem in den Exif-Daten immer wieder die sehr kurzen Brennweiten.

Daraus folgte der Entschluss: Ich will auch sowas haben.

Was viel wichtiger gewesen wäre: Ich achte auf die Tageszeiten und die Standorte. Denn auch ohne extrem weiten Bildwinkel sind beeindruckende Landschaftsaufnahmen möglich. Aber darauf kam ich erst wesentlich später…

Wann dir neue, weitere Technik weiterhilft

Ich sprach weiter oben vom schmalen Grat zwischen „Haben-Wollen“ und „Brauchen“.

Hier ein Ansatz, wie du weder zur einen Seite abrutschst noch zur anderen.

Schau dir Bilder an. Von anderen und deine eigenen.

Achte bei Fotos von anderen darauf: Wo sind sie entstanden? Zu welcher Tageszeit? Was fasziniert dich am Bild?

bergrücken im goldenen licht mit nebel bei sonnenaufgang
So ein Bild entsteht zuerst durch Kenntnisse der örtlichen Gegebenheiten und durch den aufmerksam studierten Wetterbericht. Letzteres kann ich mittlerweile selbst, bei den Ortskenntnissen verließ ich mich auf einen Bekannten.

Achte bei deinen eigenen Fotos darauf: Fehlte dir etwas bei der Aufnahme? Hängst du ständig am langen/kurzen Ende deines Einstiegs-Objektivs? Erinnerst du dich, ob du das Foto machen konntest, dass du wolltest? Oder wärest du gern weiter weg/ dichter dran gewesen? Sind deine Bilder zu dunkel und die Einstellungen schon am Anschlag? Kam deine Kamera beim rennenden Hund mit dem Scharfstellen nicht hinterher, egal, was du eingestellt hast?

Je genauer du weißt, wo die Schwächen deiner Ausrüstung liegen, desto gezielter kannst du sie beheben. Und machst dich damit gleichzeitig auch noch immun gegen das allgemeine Marketinggeschrei.

Wenn du auf der Suche nach guten Fotoblogs bist, lies den Beitrag: Die 6 besten Fotoblogs zur Inspiration und zum Staunen

Wissen durch eigene Erfahrung

Aber dieses Wissen erwirbst du dir durch Erfahrung. Eigene. Nicht die anderer. 😉

Noch ein kleines Beispiel aus meinen (nicht mehr so ganz) Anfängen:

In einem regionalen Forum vertrat ein Fotograf die Ansicht, dass jede*r Fotograf*in eine Liste von Objektiven der Tasche haben MUSS. Andererseits disqualifiziert sich die Person als Hobbyknipser. Dazu gehörten: 12-24, 24-70, 70-200. Natürlich alle in der teuersten Version. Fast fiel ich darauf rein.

Der Forumsfotograf verdiente seinen Lebensunterhalt mit der Fotografie. Und ähnlich wie Yazeed aus der Serie „Hubert & Staller“ lautet sein Motto: „Ich mach‘ alles“. Um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, ergibt die Zusammenstellung sogar Sinn. Für Menschen mit klar umrissenen Interessenfeldern einfach mal gar nicht.

Diese Erkenntnis sparte mir gute 1.200 Euro. Einfach, weil ich das 70-200 nicht kaufte. Es wäre entweder im Schrank verschimmelt oder weiter gezogen. So wie nahezu alle meine Teleobjektive… 😀

Und gleichzeitig erkannte ich dadurch auch: Die Kaufberatungen und Hinweise anderer zu deiner Ausrüstung beruhen allein auf deren jeweiliger Erfahrung. Für einen groben Überblick okay, für eine Entscheidung ungeeignet. Ein weiterer Grund, weshalb ich mich aus Kauf-Diskussionen lieber raushalte oder sehr deutlich formuliere, dass es sich bei meinem Hinweis lediglich um meine eigene Erfahrung handelt.

Und wo ich dir jetzt schon so viel über Erfahrung erzählt habe, werfen wir mal einen genaueren Blick darauf, weshalb jene so wichtig ist.

Grund 3 Die Technik ist dein Werkzeug. Nicht mehr, nicht weniger.

„Die Kamera ist ein Werkzeug.“

Fast schon eine Parole. Zumindest eine Phrase.

Aber was steckt dahinter?

Das Foto entsteht zuerst in deinem Kopf. Die Kamera nutzen wir Fotograf*innen um dieses Foto zu bannen und anderen zugänglich zu machen.

Soweit so einfach.

Wenn du keine Ahnung hast, wie dieses Werkzeug funktioniert, begrenzt du deine Möglichkeiten.

Egal für welches Modell du dich entscheidest oder vielleicht auch schon entschieden hast, kennenlernen und ausprobieren musst du JEDEN Fotoapparat und jedes Objektiv.

Lass dich nicht frustrieren, wenn deine neue Kamera anfangs schlechtere Resultate bringt.

welle an steinstrand zum sonnenaufgang
Eines meiner ersten Bilder 2019. Ich kannte die X-T3 noch nicht. Wusste nicht wie sie reagiert. Die Folge: Blasse Farben, verbesserungswürdige Einstellungen…

Das ist völlig normal.

Nimm dir Zeit. Lerne die Bedienung kennen. Lies dir das Handbuch durch. Dann bist du vor unangenehmen Überraschungen gefeit.

welle an der ostsee überspült steine
Mit etwas Erfahrung und Geduld werden schließlich auch solche Aufnahmen möglich

Notiere/merke dir Einstellungen

Vor ein paar Jahren zog ich mit einem Kumpel trotz schlechtem Wetter los, um eine minimale Chance auf einen Sonnenuntergang am Plöner See mitzunehmen.

Nach dem uns ein Schauer ordentlich durchnässte, riss aus dem Nichts die Wolkendecke auf. Die Sonne färbte die tiefhängenden Wolken in den herrlichsten Farben von Gelb über Orange zu Rot und Lila.

Genau in diesem Moment ging mein Akku in die Grätsche. Kein Problem.Eilig zog ich einen Reserveakku aus dem Rucksack. Eingelegt… und nichts passiert.Akku raus und wieder rein.

Es dauerte einen Moment…

… und meine Kamera setzte sich auf die Werkseinstellungen zurück.

Fassungslos starrte ich auf das Display.

Über zwei Jahre gesammelte Einstellungen einfach weg.

An ein paar erinnerte ich mich.

Dann entschied ich: Knipsen, nicht ärgern.

Das Ergebnis: Falsch belichtete Bilder.

Kein Problem. Ich hab‘ ja die RAW-Dateien. Da lässt sich was machen…

… Pustekuchen.

Mit Werkseinstellungen nimmt die Fuji nur im JPEG-Format auf…

Mittlerweile kann ich über die Anekdote lachen.

Was ich daraus lernte: Ich habe mir die wichtigsten Einstellungen aufgeschrieben.

Und die Zettel begleiten mich auf jedem Fotoausflug. Nur für den Fall, dass ein Akkuwechsel die Kamera wieder auf die Werkseinstellungen zurücksetzt.

Das erste Mal im Dunkeln unterwegs

Nachtaufnahmen beeindrucken.

Das dachte ich mir 2007 auch und wollte es direkt ausprobieren.

Problem: Ich wollte Einstellungen verändern. Ohne Licht, fand ich die Knöpfe und Räder aber nur mit Mühe.

forschungsschiff nachts im hafen
Ich hatte keine Ahnung, wie ich im Dunkeln Einstellungen verändere. Das war 2007 das Ergebnis.

Und wenn ich Knöpfe drückte und Räder drehte, sah ich nicht, was ich verstellte.

Nach ein paar Monaten und reichlich Bildern legte sich dieses Problem. Ich wusste, wo der Knopf für die Blendeneinstellung lag und in welche Richtung ich das Rad drehen musste, um die Belichtungszeit zu verlängern.

Und siehe da: Es klappte auch mit den Nachtaufnahmen.

festungsturm helsingborg nachts angestrahlt
Ein halbes Jahr später. Sieht doch schon viel besser aus, oder?

Ich erweitere den berühmten und vielzitierten Spruch: „Die beste Kamera ist die, die du dabei hast.“, folgendermaßen:

Die beste Kamera ist die, die du dabei hast und im Schlaf bedienen kannst.

Ein gewichtiger Grund, weshalb du viel Zeit mit deinem Werkzeug verbringen solltest.

Oder du nimmst einfach eine Stirnlampe mit…

Und glaub mir, du wirst feststellen:

Die eigene Kamera auszuprobieren, kennenzulernen und Erfahrung zu sammeln, macht viel mehr Spaß, als sämtliche technischen Daten aller verfügbaren Kameras auswendig zu lernen. 😉

Finde die Grenzen DEINER Ausrüstung

Sonnenuntergang. Gegenlicht. Steinzeitgräber.

Ein Grabhügel in der Nähe des Örtchens Futterkamp.

Ich turne zwischen einigen tausend Jahren Geschichte umher.

Mit dabei: Meine alte Dame, die Fuji S2 und das Tokina 12-24 Ultraweitwinkel.

Die tiefstehende Sonne zaubert mir immer wieder farbenfrohe Reflexionen ins Objektiv und damit ins Foto.

sonnenuntergang an steingräbern im wald

Bei den ersten beiden Bilder war ich irritiert.

Dann kam mir in den Sinn: Tokina-Objektive neigen zu Flares.

Ein Kompromiss.

Dafür glänzt das Objektiv mit reichlich Schärfe.

Ich nutze das Gegenlicht um die Reflexionen zu provozieren und in den Bildaufbau zu integrieren.

Mittlerweile nutze ich weder die Kamera noch das Objektiv.

Mein aktuelles Laowa 9 Millimeter neigt aber genauso wie das Tokina zu Flares. Die sind allerdings nicht so hübsch.

Das Wissen und die Erfahrung hilft mir auch heute noch.

Ich entwickelte einen Blick dafür, wie ich die Kamera halte oder auf dem Stativ eindrehe, so dass die Reflexionen minimiert werden und im Bild kaum oder nicht sichtbar sind.

sonnenuntergang ostseestrand mit brechender welle
Im richtigen Winkel verschwindet die Linsenreflexion in die rechte untere Ecke. So lässt sich der Reflex einfach wegschneiden.

Du siehst: Reine Erfahrung.

Und ein bisschen Wissen, wo die Schwächen der Ausrüstung liegen.

Weißt du, was du falsch gemacht hast?

Häufige Anfragen in Fotoforen und Facebookgruppen:

„Meine Kamera ist zu schlecht. Sie bekommt den Hund, den Vogel, die Landschaft nicht scharf gestellt. Ich brauche eine neue Kamera. Empfehlungen?“

Meine Reaktion: „Zeig’ doch mal Beispielbilder.“

Dabei stellt sich häufig raus, dass den Fehler nicht die Kamera macht.

Unscharfe Fotos haben viele Ursachen. In den seltensten Fällen liegt es an der Kamera.

ronja, hundekopf, portrait in der sonne
Die Unschärfe lag nicht an der Technik. Sondern am Fotografen. Bei f2.8 ist die Schärfeebene sehr dünn und ich habe mich einen Ticken bewegt, so dass die Augen bereits in der Unschärfe liegen.

Viel häufiger: Menschen kennen ihr Werkzeug nicht.

Angefeuert vom aggressiven Marketing fällt eine der wichtigsten Eigenschaften von Fotografierenden hintenüber:

Die Selbstreflexion.

Ohne setzen viele eine verhängnisvolle Kette in Gang.

Die neue Kamera bringt keine sichtbar besseren Resultate.

Logische Konsequenz: Ein teureres Modell muss her. Oder gleich ein anderer Hersteller.

Da so ein Wechsel überlegt sein will, beginnen die meisten zu recherchieren.

Testberichte werden gewälzt. Testcharts verglichen. Beispielfotos analysiert. Linienpaare auf einem Quadratmillimeter gezählt.

Dann der Wechsel.

Ergebnis: Die Bilder sehen aus wie vorher.

Frust stellt sich ein.

Und wir alle kennen die (a-)sozialen Medien. Der Frust findet sein Ventil.

Lass es mich positiv formulieren:

Regel Nummer 1 in der Fotografie lautet:

Nimm dir Zeit!

Ob beim Fotografieren oder beim Kennenlernen deiner Kamera, deiner Objektive.

Ja, ich weiß, uncool.

Wir gewöhnen uns daran, dass alles immer und direkt da ist.

Will niemand hören, aber das ist die Realität:

Geduld und Selbstreflexion bringen dich in der Fotografie deutlich weiter voran, als die neueste Technik.

Und falls du dir unsicher bist, mit welchem Modell du starten sollst:

Probiere in einem Fachgeschäft unterschiedliche Modelle aus. Die Kamera, die sich für dich am besten anfühlt, kannst du kaufen.

Wirklich schlechte Kameras gibt es nicht mehr.

Wenn du dir dennoch unsicher bist:

Zeit für ein flammendes Schlussplädoyer:

Fazit: Fototechnik verstellt den Blick auf das Wesentliche in der Fotografie: Das Bild

Fotografie ist ein großartiges Hobby.

Ganz ohne Zweifel.

Einmal eingestiegen, verlieren sich viele Menschen in Vergleichen, Tests und Probeaufnahmen.

Die Fototechnik fasziniert. Es macht ja auch richtig Spaß, mit so einem Stück High-Tech zu hantieren.

Um dich den aggressiven Marketingkampagnen zu entziehen, hilft es dir, dich auf deine eigene Fotografie zu konzentrieren.

An welche Grenzen bist du bisher gestoßen? Konntest du Fotos nicht aufnehmen, weil dich deine Geräte technisch limitierten? Hast du dir ganz banal den finanziellen Verlust durchgerechnet, wenn du ein neues Kameramodell kaufst? Brauchst du die als notwendig angepriesenen Neuerungen und Verbesserungen in deinem fotografischen Alltag?

Mache dir immer wieder bewusst, dass du mit dem Wissen über Mittel der Bildgestaltung und der Lichtsetzung deutlich mehr Möglichkeiten erwirbst, ansprechende und emotionale Fotos aufzunehmen.

Oder verhindern konkrete technische Gegebenheiten den Erfolg? Etwa eine zu geringe Lichtempfindlichkeit oder ein sehr langsamer und eingeschränkter Autofokus?

Sei dir bewusst, dass eine neue Kamera, ein neues Objektiv oder ein neues Filtersystem Zeit und Erfahrung braucht. Unterliege nicht der Erwartung, dass sich mit einer Anschaffung von heute auf morgen deine Bilder verbessern. Die Neuanschaffung will kennengelernt und beherrscht werden.

welle bricht über seebrücke mit gelber Leuchtbake zum sonnenuntergang
Auch der Umgang mit Filtern will gelernt sein. Hab‘ Geduld, dann klappt’s auch mit den Fotos.

Beschäftige dich statt mit Datenblättern und Testergebnissen lieber mit Fotos anderer Menschen oder deinen eigenen. Und finde heraus, weshalb einige Bilder dich ansprechen, beeindrucken und faszinieren; und andere wiederum nicht.

Schreibe dir auffällige Sachen auf. Und krame die Notizen beim nächsten Fotoausflug aus der Tasche und wirf einen Blick darauf. Du wirst sehen, solch kleine Maßnahmen werden zu sichtbaren Verbesserungen führen.

Und der letzte, und in meinen Augen wichtigste Hinweis: Beschäftige dich mit deiner Ausrüstung. Sammle Erfahrung, indem du sie benutzt. Je besser du deine Gerätschaften kennst, desto besser werden auch deine Fotos.

So ging es mir…

In meinen ersten drei Jahren Fotografie konnte ich die Datenblätter der wichtigsten Kameras aus dem Stegreif rezitieren. Ich erklärte in einem Forum die minimalen Unterschiede hinsichtlich der Auflösung von Nikons D50 im Vergleich zu Canons 400D.

Aber frag‘ mich mal nach Fotos aus diesen Jahren… . Da kam nichts Zeigbares.

Irgendwann kam der Punkt als ich mir folgende Frage stellte: Warum fotografiere ich?

Meine Antwort fiel ernüchternd aus: Angefangen hatte ich, da ich mit den Urlaubsfotos 2006 (seinerzeit mit einer analogen Kompaktkamera) aus dem Sinai unzufrieden war. Ich sah mir die Bilder 2007 aus Schweden an und gratulierte mir selbst: Als Student gab ich für meine erste Kamera mehr Geld aus, als ich für zwei Monate zum Leben hatte. Und die Ergebnisse waren genauso mies, wie ein Jahr zuvor.

Zeit etwas zu ändern.

Ich veröffentlichte in besagtem Forum Fotos. Die Kritik war stellenweise vernichtend. Aber ich bekam erste Tipps. Nach einigen Jahren Arbeit reifte in mir die Erkenntnis: Ja, die Fototechnik zu benutzen macht Freude. Aber die Kamera bleibt bei aller Faszination einfach nur eins: Ein Werkzeug.

Mittlerweile beschäftige ich mich mit neuen Kameramodellen oder neuen Objektiven nur noch, wenn ich den Eindruck habe, ich müsste etwas Neues anschaffen. Und selbst dann beschränkt sich meine Recherche nur noch darauf, was es gibt und zu möglichen Alternativen.

Das entspannt und hilft mir ungemein, mich mehr auf die eigentliche Fotografie zu konzentrieren.

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12 Gedanken zu „3 Gründe, warum ich aufgehört habe, mich mit der neuesten Fototechnik zu beschäftigen – und warum du es mir gleich tun solltest“

  1. Hallo,
    Für mich als Anfänger ein sehr guter Artikel, habe mich leider an der ein oder anderen Stelle wieder erkannt. Vielen Dank für den Artikel, sehr informativ.
    Gruß
    Andreas

    Antworten
    • Moin Andreas,
      freut mich, dass dir der Artikel weiterhilft. 🙂 Ich glaube, jede*r kann sich da bestimmt ein Stück wiederfinden. Denn klar, die Technik ist ja auch faszinierend. Ganz ohne Zweifel. Nur ersetzt sie selten die Auseinandersetzung mit Themen wie Bildgestaltung und Lichtsetzung. 😉
      Viele Grüße aus dem winterlichen Kiel
      Konrad

      Antworten
  2. Hallo Hallo,ich kann das nur bestätigen was du schreibst.Ich fotografiere seit 1977 mal mehr mal weniger, habe SW und Umkehrfilme entwickelt und habe noch lange lange analog und SW fotografiert als die digitale Fotografie schon längst aus den Kinderschuhen waren.In den 90gern hatte ich die Colorfoto und fotomagazin aboniert und las die Artikel der Leica geilen Fotografen und kam mir mit meiner Prakrica MTL 5 und der Minolta Dynax wie ein kleiner Amateur vor.Aber alle denen ich meine Fotos zeigte,von Proträts über Landschaft bis hin zu Ifrarotfotos waren begeistert.
    Man muß nicht jeden Mainstream mitmachen und schon gar nicht in der Fotografie.
    Und die beste Kamera aller Zeiten wird’s wohl auch noch in 100 Jahren geben…
    Gruß Ronald

    Antworten
    • Hallo Ronald,
      freut mich, dass wir auf einer Wellenlänge liegen. Und jetzt, wo du es schreibst: Die Fotomagazine habe ich ja völlig unerwähnt gelassen! o_0 Das werde ich bei einer Aktualisierung des Artikels auf jeden Fall noch ergänzen. 🙂 Danke für die Gedächtnisstütze.
      Gibt es denn von dir auch irgendwo im Netz Bilder zu sehen? Bin ja schon ein wenig neugierig. Besonders auch auf deine Infrarot-Fotos… 🙂
      Viele Grüße aus Kiel
      Konrad

      Antworten
      • Konrad,guten Abend noch mal….schön das du so schnell reagiert hast.Nein im Netz gibt’s von mir nichts zu sehen,glaub ich jedenfalls.Ich bin mit meinen Fotos nie an die Öffentlichkeit oder in die sogenannten sozialen Netzwerke gegangen. Ich habe noch richtig Alben angelegt,aber natürlich auch alles was ich an Dias und Negativen besitze irgendwann mal eingescannt und Ordner angelegt.Ich habe somit fast mein ganzes Leben festgehalten.Familiär und beruflich.Eine irre Sammlung über Jahrzehnte.
        Gruß Ronald

        Antworten
        • Hej Ronald,
          seinerzeit hatte ich auch mal angefangen, Fotoalben anzulegen. Aus Platz- und Zeitgründen es dann aber auch wieder gelassen. Für einen wichtigen Abschnitt war aber schnell klar, dass ich ein Fotoalbum anlege: Zum Gedächtnis meiner viel zu früh verstorbenen Hündin. Das Album hat jetzt einen Ehrenplatz. Und ich bin froh, dass Album zusammengeklebt zu haben. 🙂 Das ist für deine Familie und dich selbst sicher ein richtig schönes Stück Geschichte. Bin ja selbst immer wieder erstaunt, was alles an Anekdoten einfällt, wenn man zusammen mit anderen seine Bilder bewusst ansieht. 🙂
          Grüße Konrad

          Antworten
  3. Heinz aus der Schweiz
    Danke für den Artikel, meine erste Spiegelreflex mit Cosina im Jahre 1973 gekauft, habe schon viel experimentiert bis zum Bau eines Objektivs einer alter Filmkamera. Üben, üben und aus Fehlschlägen lernen, dass ist das Rezept! Pentax K3 genügt mir um gute Bilder zu schiessen!

    Antworten
    • Moin Heinz,
      verstehe ich das richtig: Du hast dir selbst ein Objektiv für eine Filmkamera gebaut? 😀 Das klignt ziemlich cool und abgefahren. 🙂 Und ja, Üben und Erfahrung sammeln. Das ist der Schlüssel zur Fotografie. 🙂 Freut mich, dass du das ähnlich siehst.
      Viele Grüße vom Meer in die Berge!
      Konrad

      Antworten
  4. Toller Beitrag mit der richtigen Perspektive. Mir macht die Beschäftigung mit der Technik und den neusten Objektiven gleichwohl sehr viel Spaß und ich probiere gern viel aus. Die Erkenntnis, die ich daraus mitnehme: Ich habe keine Ausrede für schlechte Bilder 😉.

    Antworten
    • Moin Christian,
      zunächst vielen Dank. 🙂 Und ja, ich will es auch nicht verurteilen. Mir macht es ja selbst Spaß, mit solch hochwertigen Sachen zu hantieren. Wer schon mal am Fokusring eines Zeiss gedreht hat, weiß mit Sicherheit, was ich meine. 🙂 Und ja, die Erkenntnis: Ich habe keine Ausrede mehr, weshalb meine Bilder nicht so gut geworden sind, kann ebenfalls helfen. In vielen Fällen kommt es allerdings nicht zu der Erkenntnis, sondern zum Systemwechsel. Das ist zwar gut für den Gebrauchtmarkt, aber für die jeweilige Person schon auch schade. 🙂
      Viele Grüße
      Konrad

      Antworten

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