Die „richtige“ Belichtung – das Histogramm als Hilfsmittel

sonne in sternenform in lichtem grünen wald

Digitalkameras haben, neben der flexiblen Lichtempfindlichkeit, noch einen weiteren riesengroßen Vorteil: Das Histogramm als Hilfsmittel. Oder anders ausgedrückt: Du kannst direkt während und nach der Aufnahme überprüfen, ob deine Bilder für dich richtig belichtet sind. Zunächst will ich dir aber kurz erklären, was ich mit „richtiger Belichtung“ meine.

Die „richtige“ Belichtung

Lass mich zu Beginn etwas ganz Grundlegendes klar stellen. Die „richtige“ Belichtung gibt es natürlich nicht. Die Belichtung ist auch nur ein Werkzeug, dass du je nach Motiv nutzen kannst (mit Hell und Dunkel kannst du spielen, um beispielsweise einen Kontrast in deinem Bild darzustellen oder den Fokus auf ein bestimmtes Bildelement zu legen).

industriehalle mit dunkler belichtung
Dunkle Bereich überwiegen, um so den Eindruck des Bedrückenden zu unterstreichen

Belichtung als Begriff meint: Die Erfassung der Helligkeitswerte, auch Tonwerte genannt. Darauf basiert die Darstellung des Bildes und der darin enthaltenen Helligkeitswerte. Diese steuerst du mit der Blende, der Belichtungszeit und der Lichtempfindlichkeit des Sensors/Films (Stichwort Belichtungsdreieck) . Als „Unterbelichtet“ wird ein Bild bezeichnet, wenn dunkle Anteile im Bild überwiegen und dies nicht gewünscht ist. Bisweilen versinken Schatten im strukturlosen Schwarz (flappsig sprechen Fotograf*innen auch von „abgesoffenen Schatten“). Das Bild wirkt insgesamt sehr düster. Das Gegenteil ist dazu „Überbelichtet“. Hier sind mehr helle Anteile im Bild, was ebenfalls vom Erstellenden nicht gewünscht ist. Teilweise sind sehr helle Stellen völlig weiß und ohne Struktur (hier sprechen Fotograf*innen flapsig von „ausgebrannten“ Lichtern).

sonne im wald am morgen belichtungsreihe auf lichter belichtet
Bild 1, Unterbelichtete Aufnahme
sonne im wald am morgen belichtungsreihe auf schatten belichtet
Bild 2, Überbelichtete Aufnahme

Gewünscht ist die Mitte

Gewünscht ist in der Fotografie eine Kombination aus den beiden Aufnahmen oben. Also ein Bild, in dem die Lichter nicht ausbrennen und die Schatten nicht absaufen. Die Belichtung selbst kannst du über Blende, Belichtungszeit oder die ISO/Lichtempfindlichkeit anpassen. Bei Bild 1 könntest du die Zeit verlängern. Oder die Blende weiter öffnen. Oder die Lichtempfindlichkeit erhöhen. Bei Bild 2 könntest du die Zeit verkürzen. Oder die Blende weiter schließen. Oder die Lichtempfindlichkeit verringern.

sonnenaufgang im grünen wald mit laubbedecktem boden und sternförmiger sonne mit ausgewogener belichtung
So ziemlich die Mitte aus den beiden oberen Aufnahmen

Soweit die Theorie. Nur ist es gar nicht so leicht Fehlbelichtungen zu erkennen. Also Signale, die dir zeigen, dass die Helligkeit nicht so erfasst wurde, wie du es eigentlich wolltest. Digitalkameras verfügen hier aber über ein wundervolles Hilfsmittel: Das Histogramm.

Das Histogramm als Hilfsmittel

Kameramonitore vermitteln selten einen realen Eindruck deines Bildes. Denn die kleinen LCDs lassen sich wunderbar (ver-)einstellen. Zuhause am Monitor kommt dann die böse Überraschung. Und glaub mir, dass ging und geht mir auch heute noch so. Kommt dann noch die lachende Sonne ins Spiel, sehen die Bilder am Kameramonitor häufig heller aus als sie es sind. Mit einem Blick auf das Histogramm umgehst du diesen Fallstrick.

Kurze Erklärung: Das Histogramm zeigt dir unbestechlich die Helligkeitsverteilung in deinem Bild. Links ist komplett schwarz, rechts komplett weiß. Ist das Histogramm links abgeschnitten, hast du abgesoffene Schatten im Bild. Also Bereiche, die nur noch Schwarz enthalten. Ist dein Histogramm rechts abgeschnitten, hast du ausgefressene Lichter im Bild. Also Bereich, in die nur noch Weiß enthalten. In der Regel willst du das aber vermeiden. Auch erkennst du am Histogramm, ob den Bild sehr dunkel wirkt oder sehr hell. Befinden sich die höchsten und breitesten Gipfel links der Mitte, ist dein Bild eher dunkel. Befinden sich die höchsten und breitesten Gipfel rechts der Mitte ist dein Bild recht hell.

seeufer mit steinen und starker belichtung
Das Histogramm springt am rechten Rand in die Höhe und ist dort abgeschnitten, das Bild folglich heftig überbelichtet.
seeufer mit steinen und schwacher belichtung
Das Histogramm ist am linken Rand in die Höhe geschossen und abgeschnitten. Das Bild stark unterbelichtet.

Natürlich kannst du auch mit der Belichtung spielen. Mit einem unterbelichteten Bild kannst du beispielsweise eine düstere Atmosphäre vermitteln. Und gänzlich vermeiden kannst du Überbelichtungen spätestens dann nicht mehr, wenn du die Sonne mit im Bild hast. Wie du aber trotz Sonne im Bild einen Sonnenuntergang fotografieren kannst, erkläre ich dir in einem extra Beitrag. Generell gilt auch hier wieder: Probier‘ dich einfach aus.

Ausgewogene Belichtung im Histogramm

Und zum Abschluss noch ein Beispiel für ein weitestgehend ausgewogen belichtetes Bild:

blick über bunte felsen auf island mit ausgewogener belichtung
Das Histogramm verteilt sich weitestgehend geschmeidig über die gesamte Breite.

Wenn du jetzt gut aufgepasst hast, wirst du Folgendes feststellen: Im obigen Beispielbild ist das Histogramm rechts angeschnitten. Das ist wahr. Der Grund dafür, sind die sehr hellen Wolken am linken Bildrand. Das konnte ich im Nachhinein auch nicht mehr retten. Da ich aber sehr selten nach Island komme, nahm ich das Bild dennoch in meine zeigenswerte Auswahl auf (falls dich das Bild und die Geschichte meiner Wanderung auf dem Laugavegur interessiert, folge dem Link). 🙂 Aber um das Grundprinzip des Histogramms zu vermitteln, sollte es als Beispiel dennoch funktionieren. Falls nicht: Scheue dich nicht, mich anzuschreiben.

Die „richtige“ Belichtung – das Histogramm als Hilfsmittel
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