Wie Fotografie Leben mit Demenz besser macht: Mit diesen 8 Bildern kannst du an die Biografie anknüpfen [+6 Tipps zum Umsetzen]

Die Tür zum Seminarraum steht einen Spalt weit offen. Jemand sortiert ein paar Papiere, ein paar Fotos.

Neugierig tappst Ronja in den abgedunkelten Raum und liest die Überschrift.

Der Mann sieht Ronja an: „Hallo Ronja, ich bin Uli, Uli Zeller. Ich arbeite in einem Pflegeheim und begleite auch viele Menschen mit Demenz.“

Uli Zeller ist als Seelsorger und Betreuer tätig. Er ist zudem Krankenpfleger, Buchautor und Blogger.

Ronja schnüffelt kurz, wedelt mit dem Schwanz. „Das klingt nach einem richtig tollen Thema. Warte kurz, ich hole schnell noch Kaia.“

Ronja trabt durch die Flure, sie findet Kaia auf einem Fenstersims, angestrengt in die Ferne blickend.

„Komm‘ schnell Kaia. Es gibt heute einen spannenden Vortrag! Zu Fotografie und Demenz.“

Kaia dreht den Kopf. „Fotografie und Demenz. Nichts wie los.“

In einem eleganten Bogen fliegt Kaia in den Seminarraum, Ronja trabt hinterher. Freudig aufgeregt nehmen sie ihre Plätze ein.


Oh nein. Oma vergisst, sich zu waschen. Steigt an der falschen Haltestelle aus. Erinnert sich nicht mehr an den Namen ihres Enkels. Manche Erinnerungen verschwinden.

Dann sind sie wieder da.

Demenz ist wie eine Reihe Fotoalben im Bücherregal. Manchmal fällt ein Bild heraus. Manchmal ein ganzer Band. Und plötzlich ist ein verloren geglaubtes Bild wieder da. Oder ein ganzes Album.

Dies ist ein Versuch, Demenz vereinfacht zu erklären.

Es gibt aber rund 50 Formen der Demenz. Frontotemporale Demenz zum Beispiel. Diese Form tritt schon ab 50 auf. Und äußert sich in Wesensveränderung. Beispielsweise Distanzlosigkeit.

Jedoch, es stimmt: Oft werden Menschen mit Demenz vergesslich. Ein wichtiger Schlüssel, um sie gut begleiten zu können:

Ihre Biographie.

Ein Mann hat die Namen seiner Frau und Kinder vergessen. Doch wenn ich ihm ein Foto von seiner Frau gezeigt habe, sind sie ihm wieder eingefallen.
Und zwar alle. Die Namen seiner Frau und seiner Kinder. Das war so in seinem Hirn verdrahtet. Die Frau als Auslöser. Die Kinder fielen ihm dann auch wieder ein. Dank des Bildes.

Die Ideen in diesem Beitrag sollen dir helfen, glückliche Momente gemeinsam mit Oma zu erleben. Es geht hier nicht um Therapie. Sondern darum, dir zu zeigen: Oma ist nicht doof, sondern „nur“ dement. Und manchmal geht mehr, als man denkt…

Und nun verrate ich dir, mit welchen 8 Sorten Bildern du am besten an Omas Biographie anknüpfen kannst:

1. „Das Hochzeitsfoto“

girlande aus weißen und roten rosen mit grünen blättern auf der motorhaube eines autos

Es muss gar nicht das Bild von der Hochzeit sein. Vielmehr steht „das Hochzeitsfoto“ als Symbol für emotionale Ereignisse:

  • Das Ehepaar in schicken Hochzeitskleidern.
  • Das erste Foto vom ersten Kind.
  • Das Kind mit Schultüte.

Beachte bei Demenz: Betroffene vergessen oft „von hinten nach vorne.“

Will heißen: Oma weiß nicht mehr, dass sie eben mit ihrem Sohn telefoniert hat. Aber sie erinnert sich genau, wie dessen erster Strampelanzug ausgesehen hat. Dies kann auch zu etwas bizarren Situationen führen.

Beispiel gefällig?

Herr Huber war verheiratet. Die Ehe endete im Streit. Scheidung. Zweite Ehe. Nun ist er dement und lebt im Pflegeheim. Seine Frau besucht ihn oft. Wohl gemerkt: Die jetzige (zweite) Ehefrau.

Aber: Zeigt man ihm ein Foto von ihr, reagiert er nicht. Sieht er dagegen ein Bild seiner ersten Ehefrau, strahlt er. Er hat die jüngste Vergangenheit vergessen. Also die zweite Ehe.

Die Scheidung von der ersten Frau. Und der Streit vor der Scheidung. Wenn er ihr Bild von früher sieht, strahlt er.

Daraus folgt: Bilder können positive Gefühle wecken. (Manchmal aber anders als ich denke.)

2. „Die Geburtstagstorte“

geburtstagstorte mit schokoguss und erdbeeren

Die Torte steht für Dinge, die sich wiederholen: Der Namenstag. Das jährliche Sommerfest im Verein. Die alljährliche Teilnahme an der spanischen Weihnachtslotterie. Auch der Berufsalltag gehört dazu. Oder die Arbeit im Haushalt.

Überlege einmal, ob es Fotos gibt, die dies zeigen. Oder vielleicht kannst du im Internet Bilder suchen von Gegenständen, die dazu passen:

  • Ein Waschbrett, das jeder früher im Haushalt hatte.
  • Der Henkelmann, mit dem man sein Mittagessen zur Arbeit genommen hat.
  • Ein Bild mit einer Bierzeltgarnitur – jedenfalls, wenn man beim Vereinsfest auf Bierbänken saß.

Die Bierzeltgarnitur, das Waschbrett und die Geburtstagstorte: Das und noch viel mehr können visuelle Auslöser sein, um sich zu erinnern.

Doch nicht nur die Wiederholung hält Erinnerungen wach. Sondern auch der festliche Charakter.

Dafür steht:

3. „Der Weihnachtsbaum“

Der feierliche Charakter an Weihnachten im Gottesdienst. Die Familie kommt zusammen. Festliches Essen. Kinder fiebern Festen entgegen.

lichterbogen, beleuchtet

Das wusste schon Astrid Lindgren. In „Die Kinder aus Büllerbü“ beschreibt sie, wie Kinder den Heiligen Abend fast nicht erwarten können. Dieses stundenlange Warten sei der Grund dafür, dass man graue Haare bekommt, sagt Lasse da. Beim Blick in den Spiegel stellen die Kinder dann zwar fest: Die Haare sind noch gar nicht grau geworden. Aber sie haben gemerkt: Warten ist doof. Und das bleibt im Kopf.

Umso ärger prägt sich dann auch die schöne Zeit ein, auf die man gewartet hat:

  • Gemeinsames Singen unterm Weihnachtsbaum.
  • Geschenke auspacken.
  • Das Festmahl.

Hand aufs Herz – oft ist Weihnachten dann doch nicht so idyllisch wie im Bilderbuch: Der Vater ist wieder betrunken. Mama und Oma streiten sich. Und dann gibts wieder nur selbstgestrickte Socken geschenkt.

Doch wenn man dementen Menschen Bilder zeigt, geht es nicht um korrekte Geschichtsschreibung. Man muss sie ja gar nicht mehr an die schrecklichen Sachen erinnern.

Sondern, viel besser: Zeige Oma ihr Leben im Rückblick durch den Weichzeichner. Sie soll einen schönen Lebensabend haben.

Trotz Demenz…

Auch Sonnenuntergänge können Gefühle wecken.
Im Artikel „Im Sonnenuntergang fotografieren – zwei Techniken in der Praxis“ erfährst du, wie du sie fotografieren kannst.

Übrigens, rund um die vielen bedeutungsvollen Feste im Winter gibt es auch ein Buch von mir: Frau Lehmann und der Schneemann ( https://zeller-geschichten.de/frau-lehmann-und-der-schneemann/ ). Darin sind Geschichten für Menschen mit Demenz zum Vorlesen und mitmachen. Und man kann sie auch mit Bildern kombinieren.

4. „Das Kind“

Demenz kann sein wie Fotoalben im Bücherregal. Ab und zu verschwindet ein Bild. Oder ein ganzes Album.

Ein Album aber, das sehr lange da stehen wird, ist die eigene Kindheit.

Ist dir das schon mal aufgefallen: Alte Menschen reden dauernd von früher. Die Kindheit hat sich tief ins Gedächtnis gegraben. Man wurde mit diesem inneren Kind alt. Hat darüber reflektiert. Es eingeordnet.

schaukelpferd in einem raum mit holzdielen am fenster
Ein Foto eines geliebten Spielzeugs kann ebenfalls positive Erinnerungen wach rufen.

Menschen mit Demenz reagieren häufig gut auf Kinderbilder. Es können Bilder sein, die den alten Menschen als Kind zeigen. Oder seine Kinder.

Alternativ kannst du einen Stapel Fotos von anderen Kindern zeigen. Falls dein Gegenüber auf ein Bild negativ reagiert, sortiere es aus. Und zeige das nächste Mal nur die Fotos, auf die er positiv reagiert hat.

Achtung: Auch hier ist die Biographie wichtig.

Es kann sein, dass jemand auch im Alter noch an seinem unerfüllten Kinderwunsch leidet. Oder jemand sein Kind verloren hat. Dann sind Kinderfotos schlecht. Machen traurig.

„Das Kind“ steht aber nicht nur für die eigene Kindheit. Auch Fotos, die das Umfeld deines Gegenübers während seiner Zeit als Kind zeigen, können glückliche Momente wecken. Zum Beispiel Fotos von der Stadt, in der jemand aufgewachsen ist.

5. „Gesichter und Hände“

Nicht nur Kinderfotos können gut ankommen. Auch Bilder von Erwachsenen.

Zum Beispiel Fotos von Menschen, die etwas Bestimmtes tun.

Beispiele:

  • Eine Hausfrau, die einen Erdbeerkuchen belegt.
  • Eine Friseurin, die gerade Lockenwickler in die Haare dreht.
  • Ein Automechaniker mit Öl im Gesicht, der einen Reifen montiert.

Gesichter von Menschen, die die Person von früher kennt, können auch schöne Erinnerungen wecken: Schwester Renate, Tante Frieda oder Bruder Hans.

Auch Bilder von Schauspielern wie Marilyn Monroe oder Heinz Rühmann können schöne Erinnerungen wecken. Oder andere Gesichter.

charles darwin im seitlichen portrait von julia margaret cameron fotografiert
Ein ikonisches Bild: Charles Darwin. Aufgenommen von Julia Margaret Cameron

Mehr zum Thema Portraitfotografie findest du im Artikel: Portraitfotografie – Ein Blick hinter die Linse und direkt in die Seele.

Aber: Manche wirken besser als andere. Glaubst du mir nicht? Dann habe ich dir hier ein Beispiel:

Ich war mit Frau Schröder (87) spazieren. Ihre Demenz war schon fortgeschritten. Es war kurz vor der Landtagswahl. An jedem Laternenpfahl hing ein Plakat. Manchmal auch 2 oder 3.

Frau Schröder ging achtlos vorbei an den Kandidatinnen von SPD und Grünen. Auch den Kopf von der FDP schaute sie nicht genauer an.

Doch dann kam er: Der Kandidat von der CDU. Christoph hieß er mit Vornamen. Das stand auch mit großen Buchstaben drunter. Frau Schröder blieb stehen. Sie musterte ihn. Legte den Kopf etwas schief. Hob die Augenbrauen. Winkte ihm dezent mit den Fingern zu.Sagte vor sich hin: „Was für ein hübscher Bursche.“ Schaute den Kandidaten an. Und sagte: „Hallo Christoph.“

Die Szene wiederholte sich auf dem Rest der Spazierstrecke mehrmals. Rot, grün und gelb ließ sie links liegen. Wohl nicht wegen der politischen Inhalte. Sondern wegen den Gesichtern ihrer Spitzenkandidaten. Aber den Christoph fand sie gut…

6. „Die Mondlandung“

Dieses Problem habe ich vorhin schon erwähnt: Oft gibt es gar keine Bilder mehr aus der eigenen Kindheit.

Doch hier hilft die Zeitgeschichte. Dafür steht „die Mondlandung.“

astronaut auf dem mond

Heute gibt es zu jedem Ereignis eine Flut von Bildern und Filmen. Als die Menschen, die heute alt und dement sind, noch jünger waren, war das nicht so. Damals gab es oft nur ein Bild oder ein Film von einem Ereignis, das um die Welt ging.

Beispiel: die Mondlandung (60er Jahre).

So kann ich mich also fragen: Was hat mein Gegenüber geprägt? Und was sind die Bilder von damals? In Zeitungsarchiven kann man online Artikel zu jedem Jahr suchen. Und in Büchereien findest du Bücher über jedes Jahrzehnt.

7. „Der Sportler“

Vielleicht kennst du die Faszination, die große sportliche Wettkämpfe auslösen. Eine ganze Nation sitzt beim Public Viewing und feuert die Nationalelf an. Der Hochspringer nimmt Anlauf und die Zuschauer reißen die Augen weit auf. Der Leichtathlet ist noch auf Platz 2 – aber er holt gerade auf.

sparwasser und beckenbauer kämpfen 1974 um den ball
Für Menschen, die in der DDR groß wurden: 1974 gewinnt die DDR gegen die BRD bei der WM mit 1:0. Das blieb hängen.

Je nachdem, in welchem Jahrzehnt dein Gegenüber aufgewachsen ist, können ihn andere Fotos ansprechen. Und natürlich auch abhängig davon, welche Sportart ihn interessiert hat.

Beispiele:

  • Steffi Graf und Boris Becker (Tennis, 80er-Jahre).
  • Rosi Mittermaier (Ski Alpin), Hans Fassnacht (Schwimmen, 70er-Jahre).
  • Vierer vom Berliner Ruder-Club, Ratzeburger Ruder-Achter, Deutschland-Achter (Rudern, 60er).

Große Themen sind auch die Fußball-Weltmeisterschaften von 1954 und 1974. Hier ist aber gut, wenn du bedenkst: Je länger es her ist, umso weniger verfügbar waren damals Bilder.

Viele erzählen mir von ihren Erinnerungen an das „Wunder von Bern“ 1954. Als in den 70ern geborener Mensch stelle ich mir die Menschen dann immer vor dem Fernseher sitzend vor. Merke dann im Laufe ihrer Erzählungen aber: „Nein, sie haben das Spiel gar nicht gesehen. Sondern im Radio gehört.“

Manche wissen aber auch gar nicht mehr, ob sie es gesehen oder gehört haben. Durch das nachträgliche Sehen von Fotos haben sich jedoch Bilder im Kopf festgesetzt. Und du kannst Fotos einsetzen.

Spannend hier auch immer: Kleine Erlebnisse aus der damaligen Zeit.

Ich habe viele Geschichten gesammelt, die mir Menschen aus der damaligen Zeit erzählt haben. Diese setze ich ein und erzähle sie anderen, um damit Erinnerungen anzukurbeln. Darum kannst du hier auch kreativ sein. Und statt dem Foto eines Fußballers zum Beispiel als Symbolbild Kickschuhe zeigen.

Beispiel:

Ich arbeite in Singen am Hohentwiel. Die Menschen haben noch so manche Erinnerungen an das Fußball-Endspiel 1954. Aber ein Ereignis ist ihnen noch viel stärker im Kopf geblieben:

Nach dem Sieg fuhr die deutsche Nationalmannschaft aus Bern zurück. Mit dem Zug. Durch Singen. Der Zug fuhr langsam durch die Bahnhöfe, hielt an manchen Orten sogar an. Senioren erzählen gerne davon, was da für eine Bewegung in der Stadt war. Jeder wollte an dem Tag an den Bahnhof.
Und den Siegern zujubeln. Hier könnte ich statt des Bildes von den Fußballern Fotos vom Singener Bahnhof aus den 50ern einsetzen.

Oft sind solche kleinen Erlebnisse aus dem Alltag prägender als beispielsweise das Endspiel selbst.

Eine Bewohnerin erzählte mir etwa, dass sie früher im Blumenladen arbeitete. Und Blumen an Uwe Seeler „Uns Uwe“ liefern musste. Sie kann sich noch an jedes Detail erinnern. Inzwischen sind diese Details vermutlich etwas verklärt. Wenn die Demenz der betagten Dame dann weiter fortgeschritten ist, kann ich ihr die eigene Geschichte „zurück erzählen“. Und dabei Fotos zeigen von Uwe Seeler, von Blumen oder von einem Blumengeschäft.

Eine andere Frau hat mir erzählt, dass 1954 ihr Schwager krank wurde. Und so bekam sie als junges Mädchen eine Freikarte. Für das legendäre „Wunder von Bern“. Allerdings hat sie Fußball nie so wirklich interessiert. Und ihr war auch nicht klar, dass sie Zeugin von Zeitgeschichte werden sollte. Stattdessen interessierte sich das Mädchen vom Lande eher für die Stadt. Sie fand es toll, mal raus zu kommen. Und Bern zu erleben.

8. „Hundewelpen & Katzenbabys“

Pudel Paul springt auf Frau Thiedes Schoß. Und Frau Thiede strahlt. Sie krault den Hund hinter den Ohren. Streichelt ihn.

hündin ronja sitzend am strand

Anwesenheit von Tieren tut Menschen gut.

Eine Studie hat sogar bewiesen: Menschen, die eine Katze oder einen Hund besitzen, bauen geistig weniger schnell ab als Menschen ohne Haustier.
Und natürlich tun auch Fotos von Katzen und Hunden gut.

Denke auch an die Nutztiere, die die Menschen früher zuhause hatten: Hühner, Schweine oder Pferde.

Und da du eben keine Kuh ins Pflegeheim oder in Omas Wohnung bringen kannst, kannst du auch hier Fotos von verschiedenen Tieren ausprobieren. Und beobachten, was am besten wirkt.

Wenn du wissen willst, wie du gute Tierfotos selber machen kannst, starte hier deinen Weg zum Sehen:
https://fotografieren-lernen.org/der-weg-zum-sehen/

War das schon alles? Nein!

Zum Schluss noch ein paar Anmerkungen:

1. Du kannst die Wirkung von Fotos verstärken, indem du weitere Sinnesreize einsetzt. Beispielsweise kannst du einen Gegenstand zum Fühlen oder Schmecken mitbringen. Oder du gibst den Ohren noch einen Impuls und liest eine Geschichte vor, die zum Bild passt. Zu den eben genannten Hundebildern vielleicht dieses Buch: „Erinnerungen auf 4 Pfoten“.
Da ich es aber selber geschrieben habe, ist diese Empfehlung nicht ganz neutral…

2. Nimm Bilder, die positive Erinnerungen wecken. Und vermeide Fotos, die traurig machen können. Fotos von Trümmerfrauen der 1950er-Jahre könnten an schwere Zeiten erinnern. Ein Bild von einer typischen 50er-Jahre-Hausfrau, die eine Sahnetorte backt, könnte bessere Gefühle wecken.

3. Bilder zeigen ist keine Schulprüfung. Stell dir vor, du zeigst deiner dementen Oma ein Familienbild von früher. Vielleicht hat sie vergessen, wer darauf zu sehen ist. Dann sagt sie vielleicht: „Eine schöne Familie.“ Dann sage nicht: „Aber Mensch, das bist doch du mit deinem Mann und deinen Kindern.“ Sage lieber: „Ja, eine schöne Familie.“ Und lass es so stehen.

4. Verstärken kannst du, indem du dich ein wenig an früher orientierst. Anstatt Bilder auf dem Handy zu zeigen, drucke die Bilder aus. Statt bunter Bilder kannst du schwarz-weiß probieren. Auch die alte Technik kann verstärken: Wie wärs mit Dias und einem Diaprojektor? Ich erinnere mich an Dia-Abende, die ich als Kind erlebt habe. Mein Vater (Hobby-Bergsteiger) hat gefühlt 20 Bilder vom gleichen Berg ohne Menschen drauf gezeigt. Verglichen mit heute in miserabler Qualität. Und nach jedem dritten Bild ratterte der Projektor, weil wieder ein Dia hängen blieb.

5. Wie kommst du an Bilder? Das war noch nie so leicht und so schwer wie heute. Bilder gibt es viele. Da es früher weniger Fotos gab, waren diese aber oft mit mehr Emotionen verbunden. Falls du deine Bilder noch nicht gut sortiert hast, kannst du so damit beginnen: „Fotos sichern – eine simple Anleitung zum Nachmachen„.
Darüber hinaus kannst du Fotos im Internet suchen, in Zeitschriften oder in alten Fotoalben.

6. Natürlich kannst auch du als Fotograf deine eigenen Bilder und deine Begeisterung einbringen. Wenn du fürs Fotografieren brennst, kannst du damit begeistern. Denn die Dinge, die du selber gern machst, springen über. Suchst du noch Motivation, um loszuknipsen? Dann wirf doch mal einen Blick in die Motivationsecke.

Ich wünsche dir viel Erfolg beim Einsatz von Fotos.
Sie können bei Demenz viel bewirken.

Lass uns Omas Augen zum Leuchten bringen.

Dein Uli

Über den Autor

autorenbild uli zeller mit buch beim vorlesen

Dies ist ein Gastbeitrag von Uli Zeller. Er ist Seelsorger im Pflegeheim, Krankenpfleger und Autor. In seinem 7-Tage-E-Mail-Kurs „Oma ist dement – aber nicht doof!“ unterstützt er Angehörige, ihre Menschen mit Alzheimer und anderen Demenzformenbesser begleiten zu können.

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